Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 6)
- Language
- German
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350 Neutestamentliehe Studien. d’Rab) von dem Messias in sehr ruhiger, durchaus 1111־ polemischer Weise und in massigem Umfange die Rede ist, während nicht bloss in den Evangelien, sondern auch in den Schriften der apostolischen Täter alles Andere hinter den Messias zimicktritt, Aus diesem hier nur flüchtig skizzierten Verhältniss erklärt sich auch die Thatsache, dass die Ent״ stehung des Christenthums keinen Nachhall in der talmudischen Literatur zurückgelassen hat. Ersteres ist eben in einem beschränkten Kreise entstanden und hat seine Entwickelung in einer dem jüdischen Yolke so fern liegenden Richtung genommen, dass in dem Gedächtnisse des letzteren und demzufolge auch in der talmudischen Literatur fast jede Erinnerung an die Anfänge jenes folgenschweren Ereignisses verwischt ist. Es ist deshalb ein ganz erfolgloses Unternehmen, dem Talmud Geständnisse über Jesus abzudrücken, wie Laible und Dalman in ihrer Schrift ,,Jesus Christus im Thalmud“ zu thun versucht haben. Der Talmud hat nichts oder so gut wie nichts über Jesus zu gestehen, denn er weiss nichts von ihm, so wenig Philo und Josephus von ihm wissen, und davon werden die in der genannten Schrift gesammelten talmudischen Texte, die schon ■durch den geringen Umfang die Geringfügigkeit des Inhalts verratben, den unbefangenen Leser am sichersten überzeugen. Es giebt allerdings Stellen im Talmud, welche von dem Verkehr jüdischer Weisen mit Minäern oder Philosophen handeln, wobei auch wohl das Evangelium, oder eine Stelle daraus zur Sprache gebracht wird. Dies sind jedenfalls die ältesten Nachrichten vom Christenthum, die im Talmud ent- Lalten sind. Sic beweisen aber theils durch ihre Harmlosigkeit, theils durch die Namen, welche den Anhängern des Christenthums beigelegt werden, dass letzteres damals in jüdischen Kreisen noch nicht als eine eigene und selbständige Religion bekannt geworden war. Andere Stellen gehören einer Zeit an, in welcher das Christenthum bereits eine feste Gestalt angenommen batte. In diesen, welche natürlich jüngeren Datums sind, lassen sich mit grösserer oder geringerer Wahrscheinlichkeit Anspielungen auf christliche Lehren und Einrichtungen erkennen. Was aber die wenigen Steilen betrifft, in denen־ Jesus unter diesem oder einem anderen Namen vorkommt, oder in welchen Maria aus Magdala oder die Apostel erwähnt werden, so sind dieselben jedenfalls die jüngsten Mittheilungen dieser Art. Sie beruhen auf Nachrichten, die erst von aussen in das Judenthum eingedrungen sind, und zeigen schon dadurch, dass sie im Style der Haggada gehalten sind,