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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 8 · p. Seite 348

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 8
Article
Neutestamentliche Studien
Date
1893-01-01
Page
Seite 348 (sequence 4)
Language
German
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348 Neutestamentliehe Studien. dem 4. Ev., sondern dieses liegt in den oben besprochenen Stellen, in welchen der Evangelist systematisch den gesammten jüdischen Festcyklus, sowie Einrichtungen und Gebrauche, die sich erst in der rabbinischen Zeit daran angesetzt hatten, als Relief für die Erscheinung und das Wirken Jesu dienen lässt. Hierin liegt das Eigenthümliche und Zweckbewusste des 4. Ev., wodurch es sich von den Synoptikern unterscheidet, das aber einer näheren Erläuterung bedarf, welche im Folgenden,־ soweit es innerhalb der Grenzen einer Abhandlung geschehen kann, gegeben werden soll. Es lässt sich nämlich kaum übersehen, dass die gesammte Synopse, oder das Urevangelium, woraus sie geschöpft hat, aus einem beschränkten, in sich abgeschlossenen — essäischen — Kreise hervorgegangen ist, welcher, abseits von dem allgemeinen Volksleben, und von ganz anderen Impulsen, als dieses, bewegt, ein mehr oder weniger in sich gekehrtes, heschauliches Dasein fristete. Wenn heute ein dem öffentlichen Leben fernstehender Denker seine Ansichten über dasselbe, sowie Rathschläge hinsichtlich der Politik, der öffentlichen Einrichtungen und Bestrebungen u. s. w. verlautbart, so wird man gegen diese, wenn auch noch so gut gemeinten Aeusserangen in der Regel den Einwand erheben, dass sie nicht aus scharfer und unbefangener Wahrnehmung der allgemeinen Bedürfnisse, sondern aus blosser Speculation hervorgegangen, mit einem Worte, dass sie doctrinär seien. Dieser Doctrinarismus lässt sich auch der Synopse nicht absprechen. Obgleich sie im Verläufe der Zeiten einen grossen Theil der Welt erobert hat, macht sie doch, an ihrem Ausgangspunkte ins Auge gefasst, den Eindruck der Weltfremdheit. Ihr Bemühen, die Lebensgeschichte Jesu über den Leisten des AT zu schlagen, macht den Eindruck schulmässiger Speculation, ihr durchgängiges ״damit erfüllet werde“, lässt erwarten, dass zur Zeit Jesu gleichsam wie auf ein gegebenes Zeichen das bevorstehende Erscheinen des Messias in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt worden und dass das Volksbewusstsein hiervon ganz eingenommen gewesen sei. Hur unter dieser Voraussetzung wäre es denkbar, dass plötzlich Weissagungen, die damals schon fünf und mehr Jahrhunderte alt waren, hätten hervorgesucht, und dass ihre gewaltsame, oft ins Kleinliche gehende Anwendung auf den Messias, seine Geburt, sein. Erscheinen und sein Ende in weiteren Kreisen hätte actuelles Interesse gewinnen können. Man hat sich allerdings daran gewöhnt, die Evangelien als den Ausdruck

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