Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 347 (sequence 3)
- Language
- German
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Neutes tarn entliehe Studien. 347 dass dieser Midrasch dem Evangelisten an der Stelle, wovon hier die Rede ist, vorgeschwebt habe? Man ־urtheile selber. In der Pesikta rabb., c. 10 (ed. Friedmann, S. 37 b) wird zu dem Ausdruck כי* תשא את ראש ב״י (Exod. 30,12) mit Rück־־ sicht auf die Doppelsinnigkeit desselben folgendes Gleichniss mitgetheilt. Ein Prinz lehnt sich gegen seinen Tater, den König, auf. Dieser befiehlt in Folge dessen שאו את ראשו לכו תלו את ראשו (Uebersetzung: ״Hängt ihn auf1‘.) Schon wollen die Henker sich ans Werk machen, da legt sich der Erzieher ins Mittel und fragt den König, ob er denn wirklich seinen eingeborenen (מונגינים (iovoysv^s) Sohn aus der Welt schaffen wolle? Der König will auf diese Erinnerung gern sein Torhaben aufgeben, allein er betrachtet sich an den von ihm ertheilten Befehl gebunden שישאו את ראשו ויתלו אותו. Da schafft der Erzieher Rath, indem er auseinandersetzt, wie der Befehl seine Geltung behalten könne und gleichwohl dem Sohne kein Haar gekrümmt zu werden brauche, ja sogar, dass man mittelst desselben Befehles, wodurch der König seinen Sohn habe aus der Welt schaffen wollen, ihn vielmehr in der Welt grossmachen könne. Man müsse nämlich die Verordnung?שאו את ראש dahin auslegen, ילכו ירוממו את ראשו ממה שהוא, dass nicht Aufhängen, sondern Erhöhen des Sohnes beabsichtigt gewesen sei. Darauf sagt der König zu dem klugen Anwalt: ,,So soll es denn geschehen, dass durch dich ״ אני ווקפו ותולה לו את ראשוich meinen Sohn erhöhe und erhebe“. Ebenso habe Gott zu Moses gesprochen כי תשא u. s. w., was nicht mehr hierher gehört. Es ergiebt sich hieraus, dass וקף, oder in noch prägnanterer Weise תלה derjenige Ausdruck ist, welcher dem Wortspiel zu Grunde liegt, da er zugleich ״aufhängen“ und ״erhöhen“ bedeutet, und man wird sich kaum gegen die Annahme sträuben können, dass der Evangelist allerst durch die Kenntniss dieses Midrasch und im Hinblick darauf zu den! griechischen Wortspiel, wie überhaupt zu der ganzen Jesus in den Mund gelegten Wendung veranlasst worden sei. Weiterhin mag dann die Frage erlaubt sein, ob׳nicht die unmittelbar an die hier besprochene Stelle sich anschliessende Aeusserung in v. 16 ״Also hat Gott die Welt geliebet,. dass er seinen eingeborenen Sohn gab u. s. w.a nicht durch die Erinnerung an die erwähnte haggadische Gleichnissrede, deren Mittelpunkt gleichfalls der ״eingeborene“ Sohn ist, eingegeben wurde. Indessen sind diese und ähnliche, mehr gelegentliche Beziehungen auf den Midrasch nicht das Charakteristische an 23*