Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 4)
- Language
- German
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334 Emancipations-Bestrebungen in Breslau. seinen polnischen Glaubensgenossen so himmelweit verschieden von seinen christlichen Mitbürgern aber kaum noch zu unterscheiden war, ein Mann, der nicht den Jargon, sondern ein klassisches Deutsch sprach und schrieb, der in einer Litteratur bewandert war und sie bewunderte, die jene nicht kannten und deshalb als fremd, d. h. als nichtreligiös, ja als religionswidrig betrachteten und verachteten, ein Mann endlich, der den Talmud nicht als heilig und unverletzlich, sondern als Menschenwerk und menschlichem Wechsel unterworfen ansah, und den man darum so leicht im Verdacht haben konnte, dass er auch die Con- Sequenzen für das praktische religiöseThunausdieserAnschauung zu ziehen wagen werde! Hiezu kam noch die Missachtung, die speziell die polnischen Talmudgelehrtengegen alles ״Deutsche‘‘ — und damit bezeichnen sie ja theilweise auch heute noch alles aussertalmudische Wissen und alle Bildung — hegten. Ein Talmudunterricht, der nicht nach ihrer Methode, der ohne Pilpul, ohne spitzfindige Kernigkeiten, ohne Geschrei und ohne Hiebe, der nur in methodischer und würdiger Form gegeben werden sollte, erschien ihnen nicht minder als ein entheiligender Eingrifl in ihre ״religiösen Ueberlieferungen“, und mit diesem Schlag־ worte, in dessen Allgemeinheit sich natürlich Alles, selbst das Unsinnigste und Widerwärtigste zusammenfassen liess, konnten sie mühelos alle Frommen, aber Ungebildeten auf ihre Seite ziehen« Ist es darum erstaunlich, wenn bereits einige Tage, nachdem der Minister Joel Löwe zum Oberlehrer bestimmt und den Talmudunterricht für die Wilhelms schule angeordnet hatte, ein Verwandter des Landrabbiners Joseph Jonas Fraenckel,. der zum Mitglied des Schulcollegiums bestimmte Dr. Henschel, in der Repräsentantensitzung ״auf Ansuchen des Rabbiners einen Vortrag that, dass nämlich der Talmud nicht in der Wilhelmsschule gelehrt werden möchte“1)! Die Repräsentanten jedoch, die gegen den ausdrücklichen ministeriellen Befehl nicht handeln wollten, antworteten, ״dass, wenn der Talmud in der Wilhelmsschule nicht recht für seine Kinder gelehrt würde,!) G. A. Sitzungsberichte der Repräsentanten in: Acta die An- Stellung und Abdankung der Repräsentanten u. s. w. betr.