Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829640-2829648-2877620--24923-2877649- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
302 Neutestamentlicke Studien. Poenitenten die bevorstehende Absolution und Reconciliation anzukündigen (ebayysXcafxö(;), weshalb der Tag auch dominica indulgentiae heisst. Dass übrigens mit dieser Auffassung des Einzuges der denselben begleitende Lobgesang, welcher den ursprünglich für das Hüttenfest bestimmten Hallelpsalmen (Grätz, Psalmen, S. 57) entnommen ist, übereinstimme, braucht nicht gesagt zu werden. 7) Besonders deutlich tritt die Rücksichtnahme auf das rabbinische Judentkum in der Erzählung vom Tode Jesu hervor, wobei ich im Uebrigen von dem Widerspruche, in welchem das in Mischnali und Talmud vorliegende Oriminalverfahren mit dem Passionsvorgange steht, absehe. Es ist schon bemerkenswert!!, dass der 4. Evangelist allein unter allen von dem Verlangen der Juden berichtet, dass die Kriegs־־ knechte an sämmtlichen Hingerichteten das crurifragium voll־־ ziehen sollten, was er offenbar nur deshalb thut, um hervorheben zu können, dass dasselbe bei Jesus, da er bereits todt war, nicht vollzogen zu werden brauchte (19, 33). Jesus bildet also bei diesem Evangelisten die Erfüllung des Passahopfers bis auf den Punkt, dass nach II BM 12, 46 kein Knochen an demselben zerbrochen werden dürfte (19, 36). Indessen handelt es sich hierbei nur um die Einfügung einer bereits im AT, und zwar ausdrücklich verlautbarten Bestimmung in die Passionsgeschichte. Aber damit begnügt sich der Evangelist nicht. Er betont auch in demselben Capitel Tag und Stunde der Verkündigung des Todesurtheils, und zwar in so charakteristischer Weise, dass die Absicht nicht unbemerkt bleiben kann. Nachdem er 18, 28 übereinstimmend mit der Synopse berichtet hat, dass der Process ״früh“ begann, und dies aus dem Grunde, damit die Juden noch das Passah essen konnten, nachdem er also deutlich zu verstehen gegeben, dass der Process am Rüsttag vor Ostern stattfand, hält er es trotzdem für geboten, noch einmal 19, 14 hervorzuheben: ״Es war aber der Riisttag des Passaha, und fügt hinzu ״die Stunde aber ungefähr die sechste41, worauf dann, während die inzwischen stattgehabten Verhandlungen Pilatus’ mit den Juden sehr weitläufig erzählt werden, hier gewissermassen mit beabsichtigter Eile, nach Einschiebung nur eines kurzen Zwischensatzes, in v. 16 gesagt wird: ״Da nun übergab er [Pilatus] ihn ihnen, dass er gekreuzigt würde“, so dass die Absicht einer Paralelle zwischen diesem kurz gefassten A.bschlussworte mit der eben so kurz gefassten Sentenz der Mischnah Synhedr. 6, 1 נגסד תדן םוציאין אותו לסקלו ebenso wenig zu verkennen ist, wie die