Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 4)
- Language
- German
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Besprechungen. 287 aus serge wohn lieh schadhaften Texfcstellen1),die die Kreuz zugsbericlite darbieten, die Arbeit etwas leicht gemacht. Aber alle diese Kleinigkeiten, so unangenehm und störend sie sind, wären verzeihlich gewesen, wofern er nur überhaupt seiner Aufgabe als Uebersetzer sich gewachsen gezeigt hätte. Herr Baer versteht seine Texte. Das unterliegt keinem Zweifel. Ein brauchbarer Uebersetzer ist er darum noch nicht. Wer sich an das Unternehmen wagt, denjenigen Männern der Wissenschaft, die der hebräischen Sprache unkundig sind, das Yerstänclniss hebräisch geschriebener Documente zu vermitteln, der muss zu diesem Beginnen denn doch noch etwas mehr mitbringen, als die blosse Fähigkeit, richtige deutsche Ausdrücke für die entsprechenden hebräischen Yocabeln zn finden und sie nach den Gesetzen der deutschen Grammatik zu verständlichen deutschen Sätzen zu verbinden. Wie man libterarische Erzeugnisse des jüdischen Mittelalters entsprechend und geschmackvoll in deutsche Prosa übersetzen müsse, haben wir seit 50 Jahren von Meistern wie Zunz, Sachs, Mannheimer u. A. gelernt. Diesen musterhaften Arbeiten gegenüber führt uns die Leistung des Herrn übersetzt ist. S. 104, ZI. 3, ist der גבאי Mar David gewiss ein Armen Vorsteher, vielleicht auch ein Gemeinderechner (wie S. 13 7, ZI. 9 übersetzt ist), aber kaum ein Gelderheber oder Steuerbote. S. 105, ZI. 10 v. u. Der Pfarrer wollte den Juden gewiss nicht, um seine Gesundheit herzustellen, sondern um ihn an den Genuss verbotener Speisen zu gewöhnen, ins Haus nehmen (לחבריאכי) — S. 107, Zl. 16, ist בית מטבע, wie mir Kaufmann bemerkt, sicherlich ein Baptisterium (und nicht eine Münzstätte). So hat K, gewiss auch Recht, wenn er שימר (S. 111. Amn. 176) für זי erschrieben aus שיגרן Sacristei hält S. 114, ZI. 19, sind □מתיעבי nicht ,,Verhasste׳*, sondern ,,Bekreuzte“ oder Kreuzfahrer. S. 116, ZI. 10 v. u. Hier scheinen zwei verschiedene Lesarten lהכניסה עדר האסוף und שמה נאספו עדר האסוף) für denselben Ausdruck neben einander in den Text der Handschrift nnd in die Ueberaetzung aufgenoromen zu sein. S. 121. ZI. 6 f., war etwa zu übersetzen: .,Ausserdem waren da noch viele, die ich vergessen habe, und die nicht aufgezeichnet waren והרבה . . . ששכחתי ולא נבתבו“. Der Text setzt also voraus, dass der Verfasser die Namen einmal gekannt und nur bei der Niederschrift vergessen habe, und dass er die Lücke darum nicht habe ausfüllen können! weil seines Wissens eine schriftliche Aufzeichnung nicht existirt habe. Ob dem gegenüber die Bemerkung S. XXHI, Anm. ‘21, aufrecht erhalten werden könne, bedarf noch der Erwägung. S. 130, ZI, 7, ist תקופת תמה die Zelt der Sommer- Sonnenwende und nicht die Zeit während ihres Kreislaufs im Monat Tamrous. S. 165, vorl. ZI. heisst באיטר הוא שנס keineswegs: ״auch in der dortigen Gegend“, sondern viel mehr: ,,irgend wo anders“. S. 1S6, ZI. 20, tritt der Abt von Clairvaux in der sonderbaren Verkleidung eines ,,Bernhard Haber (.בירנט האבר!“ auf (Vgl. auch Register, S. 220יי über dessen Provenienz der Uebersetzer (Anm. 14/ in Verlegenheit ist. Allein es ist einfach האכד mit Daleth, d. h. der Abt, zu lesen und an Stellen wie V M. 26. 5. Ps. 119. 17 6 zu denken. S. 211, ZI. 15, sind פראים weder wilde Esel noch wilde Völker, sondern (nach I M. 16, 12! einfach Muhammedaner, wie bereits Joseph b. Mose Koschmann ha-Levi aus Essen und, unabhängig von ihm, mehr als hundert Jahre später Fürstenüial (Selichoih S. 245 — Die Baer’sche Ausgabe der Selichoth ist mir im Augenblick nicht zugänglich) richtig verstanden haben, uns wie bei Zunz, SP., S. 445. 44S zu lernen ist. 1) Hierher gehört z. B. der Anfang des etwas geziert stilisierten Schreibens, das über den Judenmord zu Orleans iui Jahre 1171 berichtet, (ö. 31 tfb. Gleich im Anfang ילאו לבבות לחוות וידי כל לחוות בעם והוות לא יכילו עם אלהיט ועם נפשותם muss, wie der erste Bück ergabt, verderbt sein. Weder בעם והוות noch יכילו עם אלהיט geben einen, erträglichen Sinn. Nichtsdestoweniger übersetzt Herr Baer schlankweg: ״Es ermatten die Herzen beim Erzählen und die Hände beim Aufzeichnen aller Unglticksfälle des VoLkes, die Seelen unseres Gottesvolk.es vermögen sie nicht zu fassen.“ Allein ein kurzes Nachdenken führt sofort zu der Erkenntnis, dass die beiden Worte בעם והוות Objecte zu לחוות sein müssen, dass also בעם aus einem Hauptwort im Accus, verderbt sein müsse. Natürlich liegt nichts näher als an כעס (für □1ובי zu denken. So muss man auch, sobald man sich erinnert hat, dass die seltene Form יכילו nur bei Jenem, vorkommt, sofort auf Jerern. 10, 10 verfallen nnd auf Grund dessen ohne Weiteres עם אלהיט ועם in זעם אלהיט העם verbess׳ ra, was natürlich einen klaren Sinu giebt. Ebenso geht es S. 82, Zl, 1, bei den Worten עלינו להביא את העגלה הי:ו . . . חחתיה. Hat man sich nur erst einmal überzeugt, dass das Kalb, an das man allerdings zuerst zu denken geneigt ist, nur baaren Unsinn zu Tage zu fördern geeignet ist, und versucht dann die einzig mögliche andere Lesung עגלה (-Wagen), so ergiebt sich durch die Erinnerung an Arnos 2,13 sofort die richtige Ergänzung der Lücke mit dem Worte מועקים und für die Uebersetzung der gute Sinn: ״Uns war es beschieden, dass Gott über unsere Leiber den Dreschwagen fahren liess, unter dessen Rädern wir zermalmt worden sind.“