Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Verheerung von Ungarisch Brod durch den Kuruzzenüberfall vom 14. Juli 1683
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829640-2829647-2877564--24889-2877595- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
276 Die Verheerung von Ungarisch BrocL Von Beermann Fleischhacker, d. i. Bärmarm Josel des Liedes, meldet die Schadentabelle: ,,erschlagen, Hauss abgebrendt“, von Moyses Fleischhacker, d. i. Mose Mirels: ״erschlagen Sambt dem Schwager Löbel, Hauss abgebrent“, von Barich Fleischhacker: erschlagen; Schab seil Fleischhacker war einer seiner zwei Schwiegersöhne ermordet worden. An manchem der Opfer waren, wie es bei öffentlichem allgemeinem Unglück immer geht, des Schicksals Tücke besonders hervorgetreten. Da gab es unter den Ermordeten einen Mann, der Tags zuvor sich die Frau daheim geholt hatte, noch dazu der einzige Sohn seines Vaters Jakob Glaser. Abraham Klesmer, cl. h. fahrender Musikant, war wenige Tage vorher mit Geld und Gut von Wien heimgekommen, sicherlich, um noch vor Absperrung der Hauptstadt sich in der Heimat in Sicherheit zu bringen. So war er den Türken entgangen, um den entmenschten Kurazzen in die Hände zu fallen. Scenen unerhörter Grausamkeit, die noch lange in der Erinnerung Entsetzen verbreiteten, ereigneten sich schier unaufhörlich in der, wie es schien, einem Ende mit Schrecken preisgegebenen Gemeinde. Sieben unmündige Kinder und ein verzweifeltes Weib warfen sich, um Erbarmen für ihren Vater und Gatten Löbele Schamsclie’s flehend, des Hufschlags der Rosse nicht achtend, umsonst vor die Ftisse־ der berittenen Würger, Baruch, dem Sohne Samuel. Baruchs, den auch die Schadentabeile anführt, wurden Beine und Haupt vom‘ Rumpfe gehauen, Isak Isserls alle Todesarten angethan, da ihn die Vampyre auch noch schlachteten, als sie in dem durchschossenen Körper noch Leben fanden. Die Tochter des Unglücklichen, die von Weitem der Unthat ansichtig geworden war, lief in ihrer Seelenpein auf die Stadtmauer, von der sie_ verzweifelt sich herab stürzte. Mit gebrochenen Füssen wurde sie später vom Boden aufgehoben. Fassungsloses Entsetzen ergriff Frauen und Mädchen, die der Gier dieser Schergen der׳ Hölle durch den Selbstmord sich entzogen. Viele fanden durch Ertränken im Tauchbade der Gemeinde den Märtyrertod. Eine Wöchnerin stürzte sich drei Tage, nachdem sie einem Kinde das Lehen geschenkt hatte, von der Bastei, was die Mordgesellen nicht hinderte, ihr nachzusetzen und ihr den Garaus zu machen. In wahnwitzigem Schrecken sprang eine Frau, die ihr Geld im Kleide sich eiligenäht hatte, in den Brunnen ihre§ Hauses. Der Mann, der sie todt glaubte, wies auf den Brunnen, in dem das Geld sein müsse, um sein Lehen zu retten. Aber die Unglückliche