Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 7)
- Language
- German
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Neutestarn entliehe Studien. 255 gelischen Geschichte nach Massgabe dieser Kenntniss einzurichten. Es sind die folgenden: 3) Von dem Aufenthalte Jesu in Jerusalem, während des Laubhiittenfestes heisst es 7, 37 f: ״Am letzten Tage aber, dem grossen (vq des Festes stand Jesus auf und rief laut und sprach: Wen dürstet, der komme zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, Ströme lebendigen Wassers werden aus seinem Leibe fliessen“. Von dem ganzen Vorgänge sagen die Synoptiker kein. Wort. Dass aber in der Ansprache Jesu auf die Ceremonie der Wasserlibation Bezug genommen ist, liegt zu sehr auf der Hand, als dass es von alten und neueren Auslegern nicht erkannt und anerkannt worden wäre. Es muss allerdings unter ihnen auch solche geben, wie H. Holtzmann, welcher (S. 108) die Annahme dieser Beziehung eine ״archäologische Grille“ nennt. ״Aber“ — sagt er zur Begründung seiner Ansicht — ״vom Trinken ist ja die Bede, und wenn an diesem Herbstfeste allerdings viel getrunken ־wurde, (ein bacchantisches Fest nach Blut. Symp. IV, 6, 2), so doch gewiss nicht jene Libationen?“ Ob an! Laubhüttenfest viel getrunken wurde, kann ich nicht mit der beneidenswerthen Sicherheit bestreiten, mit welcher Holtzmann auf Grund einer in jüdischen Dingen so verlässlichen Quelle, wie Plutarch, dies behauptet. Indessen bestand die Feierlichkeit zwar zum Theil in der Libation, in dem ניסוך המים, aber ihr eigentlicher Name war שמחת בית השואב ה♦ Auf dem Schöpfen des Wassers liegt also, wie schon hei Jes. 12, 3, worauf der Talmud (Succa 48h) sich bezieht-, der Nachdruck, so dass der ohnehin schwächliche Einwand Holtzmann’s, dass ״vom Trinken“ die Bede sei, vollends allen Halt verliert, da Trinkwasser doch auch erst geschöpft werden muss. Holtzmann’s Kenntniss von den! Judenthurn der neutestamentlichen Zeit ist allerdings mit dem Spott über ״rabbiirischen Witz und Geschmack“ (das.) erschöpft. Wir haben aber hier wiederum, und das ist für die gegenwärtige Untersucbung die Hauptsache, eine Bezugnahme des Evangelisten auf den Babbinismus, denn das Wasserfest ist keine biblische, sondern eine, wenn auch weit zurückdatierte, rabtonische Institution, weshalb es von den Sadducäern bestritten und von Alexander Jannai in flagranter Weise verleugnet wurde. Eabbinisch ist auch die ganze Ausdrucksweise des Evangelisten. Der Ausdruck Sayßcrq ^■[xspa . . . r^c sopxff entspricht dem rabbinischen יום ,טוב אהרון של חג was nicht, wie Godet S. 306 meint, der ״letzte und gute Tag“, sondern der letzte Feiertag