Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 6)
- Language
- German
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254 Neutestamentliche Studien. der Hinweisung Jesu auf das Mannawunder bei der Synopse und den Ausführungen im 4. •Ev. 6, 31 ff., in welchen Jesus ebenfalls vom Manna ausgeht und wiederholt darauf zurück*• kommt, um sich selbst das Brod des Lebens zu nennen und die Einsetzung des Abendmahles zu anticipieren. Nichts lag hier näher als die Berufung auf die von der Synopse Jesus in den Mund gelegte Stelle V. BM. 8, 3. Aber gerade diese lässt der Evangelist bei Seite, obgleich doch gerade er als Vertreter der Logoslehre davon hätte Gebrauch machen können, vielmehr bedient er sich einfach, an das Manna anknüpfend, desBrodes als eines Bildes für geistige Nahrung, wie Jesai.55, 1. Spr. 7, 5, wodurch er sich also mit der jüdischen Denk- und Ausdrucksweise besser vertraut zeigt und sich ihr mehr conformiert, als die Synopse, bis er denn freilich, wie er nicht anders konnte, auf das wirkliche Essen, das <poqeiv x7jv adp%d 1) zu sprechen kommt. Die Yerse 34 und 52 geben genau die Grenzen an, bis wie weit die jüdischen Zuhörer Jesus einer-- seits verstehen, und von wo an sie andererseits ihn nicht verstehen, oder mit anderen Worten: bis wohin das Jüdische reicht, und wo das Christliche anfängt. Dadurch tritt die Absicht des Evangelisten, sich der rabbinischen Auffassung möglichst anzupassen, nur um so schärfer hervor. Ich glaube in der vorstehenden Auseinandersetzung gezeigt zu haben, dass der Verfasser des 4. Ev. in zwei Fällen, in welchen die Synopse, die er, wie vielfach angenommen wird, gekannt hat, ihm hätte als Wegweiserin dienen können, hei seiner Darstellung eine Richtung einschlägt, welche von der ihrigen erheblich abweicht, dagegen dem Rabbinismus entspricht. Da dies nicht zufällig sein kann, vielmehr die Abweichung von der Synopse das Verfahren des 4. Evangelisten als ein beabsichtigtes erscheinen lässt, so darf man, wenn man demselben einmal auf die Spur gekommen ist, füglich erwarten, es auch durch weitere Momente in seiner Darstellung bestätigt und aufgehellt zu finden. Diese Erwartung wird denn auch nicht getäuscht. Der Evangelist führt Einzelheiten an, von welchen die gesammte Synopse nichts weiss, die ihm aber man sollte glaubenden g e such ten Anlass bieten, seine Vertrautheit mit der rabbinischen Ausgestaltung des Judenthums dazuthun, oder richtiger, seine Darstellung der evan-!) Sollte die Aeusserung des Babbi Ilillel über den Messias: "שכבר א כל 1 ד ו זכו, sowie die ganze Stelle Synh. 95a, auf diesen Ausdruck anspielen?