Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 6 · p. Seite 252

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 6
Article
Neutestamentliche Studien
Date
1893-01-01
Page
Seite 252 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829640-2829647-2877562--24871-2877579
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

252 Neutestam entliehe Studien. einer Art der Sabbathverletzung, nämlich der Sabbathheilung, für die Rechtfertigung derselben aber giebt Jesus hier keines der von der Synopse erwähnten Motive an, sondern er beruft sich dafür auf die Beschneidung. Da diese am Sabbath gestattet sei, so verdiene er keinen Tadel deswegen, dass er den ganzen Menschen gesund gemacht habe (7, 22. 23). Wenn H. Holtzmann zu dieser Stelle bemerkt: ״Jesus rechtfertigt also gerade wie in den vorschwebenden Stellen Bit. 12, 5. 11. 12. Lc. 13, 15. 16 seine Sabbathheilung durch die eigene Sabbathobservanz der Juden“, so zeigt er, dass ihm der Unterschied, welcher in diesem Punkte zwischen dem 4. Evangelisten und der Synopse besteht, nicht aufgegangen ist. Der Unterschied kann aber nicht grösser sein, als er thatsächlich ist, da die Rechtfertigung Jesu im 4. Ev. genau mit der Folgerung des R. Eleaser b. Asarja (Sabb. 132a) übereinstimmt: ״Wenn schon bei der Beschneidung, bei welcher es sich bloss um ein Glied handelt, der Sabbath zurücktreten muss, um wie viel mehr ist dies hei der Lebensrettung der Fall41. Demnach weist Jesus im 4. Evangelium, was in den ״vorschwebenden Stellen44 der Synopse nicht geschieht, die Juden auf ihrem, dem rabbinischen, Gebiete zurück,1) und nur die in diesem Evangelium enthaltene Hinweisung auf die Beschneidung kann man eine richtige Berufung auf die ״eigene Sabbathobservanz der Juden44 nennen, um so mehr, als die Erlaubniss, am Sabbath zu beschneiden, im AT nicht ausdrücklich ertheilt, sondern eine rabbinische Folgerung aus III BB1 12, 3 ist (Sabbath das.). Es ist also bei dem 4. Evangelisten die wohlberechnete Absicht, auf den Rabbinismus einzugehen, gar nicht zu verkennen, und diese Absicht tritt ebenso in dem hervor, was er bei Behandlung des Sabbath-Konfliktes im Unterschiede von der Synopse nicht sagt, wie in dem, was er sagt. 2) Ein zweiter Vergleich mit den Synoptikern führt zu demselben Ergebniss. Bei Mt. 4, 4 ertheilt Jesus, welchen hungert, dem Versucher, der ihn auffordert, er möge, wenn er Gottes Sohn sei, die Steine Brod werden lassen, die Antwort, dass geschrieben stehe: ״Der Mensch lebt nicht B Aach Oscar Holtzmann, S. 233 bezeichnet diese Argumentation als eine ״gelehrtere, vielleicht auch schlagendere, als die ähnliche synoptische Luc. 13, 15. 16.“ Wenn dagegen die Antwort Jesu nach Holtzmann, S. 189 ״auf die jüdische Anschauung von der Unreinheit der XJnheschnittenen zurückgehen soll,‘' so ist mir von einer solchen Anschauung nichts bekannt׳.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.