Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 3)
- Language
- German
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Ne 11 testamentl i ch e Studien. 251 sichtlieh der Stellung des Evangelisten zu Juden und Juden״ thum nichts schliessen lässt. Dagegen lässt in dem Doppelcharakter des 4. Evangeliums die andere, nun mein־ zu betrachtende Seite desselben gar keinen Zweifel daran zu, dass der Verfasser ein Jude, und nicht bloss mit dem AT, sondern auch mit dem rabbinischen Juden thum durchaus vertraut war. Ja er darf dreist als derjenige unter den nentestamentlichen Autoren bezeichnet werden, der den mischnisch-talmudischen Gedankengang und Gedankenkreis vollständig beherrscht und bei seiner Dar- Stellung der evangelischen Geschichte mit wohlberechneter Absicht auf das rabbinische Juden thum eingeht. Bevor ich diese Behauptung weiter ausführe und daraus Schlüsse ziehe, will ich sie mit einigen Beispielen begründen, deren in die Augen springende Beweiskraft aus einem Vergleiche seiner Darstellung mit der synoptischen erhellen wird. *) 1) Das Aehrenausraiifen am Sabbath rechtfertigt Jesus bei Mt. 12, 3 ff. mit den! Hinweise auf David, der die Schaubrode verzehrte, und auf die Priester, welche im Heiligthum manche Sabbathverböte übertraten. Den Vorwurf wegen der Sabbathheilung weist er das. 11 mit der Gegenfrage ab, ob man denn nicht am Sabbath ein in eine Grube gefallenes Schaf herausziehen würde u. s. w. Aehnlich lautet der Bericht über diesen Gegenstand bei Marc. 2, 23 f. und 3, lf., nur dass in Betreff der Heilung am Sabbath die Gegenfrage hier lautet: ״Soll man am Sabbath Gutes thun oder Böses? Das Leben erhalten oder tödten?“ Luc. 6, lf. stimmt mit Marc, überein, Luc. 13, 15 f. mit Matthäus. Es liegt auf der Hand, dass Jesus mit den angeführten Abweisungen, welche er den ״Pharisäern“ ertheilt, auf deren Standpunkt nicht eingeht, 4. h. dass er sie nicht auf ihrem Gebiete, nämlich dem rabbinischen, schlagen will, wie denn, um nur von der Hin- Weisung auf den Tempel dienst zu reden, bekannt ist, dass das Heilig thum nicht blos hinsichtlich der Sabbathverbote, sondern auch hinsichtlich anderer, wie z. B. des Wucher Verbotes, eine exemte Stellung einnahm. Aber die Synopse lässt diesen Umstand, so wie Anderes, worauf sich die Pharisäer ihrerseits hätten berufen können, unberücksichtigt. Ganz anders steht dagegen die Sache im 4. Evangelium. Dasselbe gedenkt nur!) Die folgende Darstellung wird zeigen, was von dem restringierenden TJrtheil Oscar Holtzmann’s, dass ,,der Verfasser nicht unbewandert in dem jüdischen Leben der Zeit“ sei, zu halten ist. 17*