Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 2)
- Language
- German
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250 Neufcestainenfcliclie Stadie 11. mit den Verhältnissen von Haus aus nicht bekannten Leser sich ergäben, dass der Verfasser für nöthig findet, sie aus״ drücklich als solche zu bezeichnen! Hier muss nothwendig eine Absicht obwalten, die, selbst ohne die Synoptiker zum Vergleiche heranzuziehen, sich Jedem aufdrängt. Vollends erst, wenn man diesen Vergleich anzustellen sich die Mühe nimmt. Matthäus spricht, mit der unwesentlichen Ausnahme (offenbar einem späteren Zusatz) 28, 15 von den ״Juden“ gar nicht, Er redet durchweg vom ״Volke“. Wenn er ein paar Mal Jesus vom ,,Hause Jsrael“ sprechen lässt, so giebt sich dieser Ausdruck als eine mehr poetische Variante für Volk leicht zu erkennen. Als Gegner Jesu werden bei ihm die Schriftgelehrten, Pharisäer, Sadducäer, Hohenpriester, Aeltesten angeführt. Dass die ,,Juden“ schlechthin als Gegner oder Controversisten Jesu auftreten, wie im 4. Ev. 2, 18. 20. 6, 4L 52. 8, 22. 48. 52. 57, oder dass die ״Juden“ als solche Jesus verfolgen and ihm nach dem Leben trachten, wie ebenda 5, 16. 18. 7, 1. 11 (vgl. H. Holtz־׳ mann, Hand-Oomm. z. NT IV, Ereib. i. Br. 1891, S. 13) — dafür sucht man bei Mt. vergebens nach einem Beispiel. Das Gleiche gilt von der gesammten Synopse. Bei Marc, wird nur 7, 3 der ,,Juden“, zusammen mit den Pharisäern gedacht, hei Luc. 7, 3. 23, 37. 38 bedienen sich dieses Ausdrucks der römische Hauptmann und die römischen Soldaten, was erklärlich ist. Selbstverständlich fehlt auch bei dem einzigen in der Synopse erwähnten Beste, dem Passah, der Beisatz ״der Juden“. Aus diesem Allen geht hervor, dass der 4. Evangelist damit, dass er und wie er von den ,,Juden“ spricht, eine Absicht verfolgt, als welche offenbar darauf ausgeht, die Juden als etwas ihm Fremdes darzustellen, woran sich dann von selbst die Folgerung knüpfen würde, dass er kein Jude und mit Juden und Judenthum nicht weiter vertraut sei. Gegenüber dieser aus dem Angeführten sich auf״ drängenden Annahme Ist die Stelle 4, 22 (״Das Heil kommt von den Juden“) irrelevant. Ich kann weder die Betonung des jüdischen Bewusstseins (Luthardt, Das Ev. nach Job., Nördlingen 1886, S. 7), noch einen den Juden ״günstigen Sinn“ (Godet, Commentar, deutsch, 3 Aufl. Hannover 1890, I, S. 113) darin erblicken, noch liegt meines Erachtens ein Anlass vor, die Stelle mit Eichthal für die Bandbemerkung eines Juden vom alten Schlage, oder mit Een an für einen ungeschickten Zusatz des Evangelisten (Godet, II, S. 189) zu erklären. Die Worte enthalten eine einfache historische Thatsache (vgl. Börner 9,5), aus deren Mittheilung sich hin-