Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 6 · p. Seite 249

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 6
Article
Neutestamentliche Studien
Date
1893-01-01
Page
Seite 249 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829640-2829647-2877562--24868-2877576
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

249 Neutestamentliche Studien. Yon Oberrabbiner Dr. M. Güdemann in Wien. II. Das IV. (Johannes־) Evangelium und der Babbinismus♦ "Wenn man das dem Apostel Johannes zugeschriebene, von einem Theile der christlichen Ausleger auch für ein Werk desselben gehaltene, von einem anderen aber mit grösserem Becbte für ein späteres Erzeugnis s erachtete Evangelium aufmerksam und unbefangen liest und dabei eine genügende Vertrantheit mit den religiösen Verhältnissen der Juden in der neutestamentlichen Zeit besitzt, so kann man nicht umhin, in dieser auch aus anderen Ursachen merkwürdigen Schrift zwei, obenhin betrachtet, einander widerstreitende Erscheinungen zu beobachten. Die eine, mehr zu Tage liegende und deshalb vielfach bemerkte und besprochene, äussert sich in der Art und Weise, wie der Verfasser von den Juden spricht. Schon dass er sie so nennt, ist in dem Sprachgebrauche der Evangelien eine Ausnahme. Das Fremdartige tritt aber am meisten darin hervor, dass er sogar bei Anlässen, bei welchen Niemand die Erwähnung der Juden erwarten würde, dieselbe nicht unterlässt. Z. B. 2, 13 ״Und es war nahe das Passah der Juden“;1) 5, 1 ״Darnach war ein Fest der Juden“; 6, 4 ״Es war aber nahe das Passah, das Fest der Juden“; 7, 2 ״Es war aber nahe das Fest der Juden,, die Laubhütten“; 11, 55 ,,Es war aber nahe das Passah der Juden“. Ich habe zunächst bloss diese Beispiele hervorgehoben, weil bei ihnen die Erwähnung der Juden am auffallendsten ist und deshalb unmöglich zufällig sein kann. Als ob Passah und Laubhütten nicht hinlänglicli als Feste der Juden bekanrt wären, nicht aus dem Zusammenhänge als Feste der Juden selbst für den 0 Oscar Holtzraaan, Das Johannesev. (Darmst. 1887), S. 205 bemerkt dazu: ״Der Evangelist kennt also noch ein anderes, nickt jüdisches Passah“. Er setzt nämlich den Yerf. spät an und lässt ihn bereits den christlichen Festkalender vor sich haben. Allein die obige Zusammenstellung genügt , um die Seltsamkeit dieser Erklärung zu beweisen. Monatsschrift. 37. Jahrgang. 17

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.