Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829640-2829646-2877485--24854-2877542- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Emancipations-Bestiebungen ia Breslau. 241 waren. Aber man sali nicht ein, dass diese mit der Religion und dem Talmud absolut nichts zu thun hatten, dass sie viel־ mehr auf der einen Seite nur die Folge der grossen Unbildung und der von den Talmudgelehrten zum verhängnissvollenPrincip gemachten Zurückweisung jedes ausserreligiösen Wissens waren, und dass sie andererseits notwendig aus dem bisherigen elenden bürgerlichen und rechtlichen Zustande der Juden sich hatten herausbilden müssen. Wer bessern, wer aufklären wollte, der musste also den Menschen, nicht den Juden aufklären und bessern, der musste Bildung bringen, nicht religiöse Reform. Und am allerwenigsten war es seitens des Staates angebracht, die geistige und gesellschaftliche Hebung der Juden plötzlich mit einem gewaltsamen Eingriff in ihre religiösen Ueberzeugungen zu beginnen. Das konnte man ruhig dem Fortschritte der Zeit überlassen; war erst Bildung da, so musste diejenige Moral, die man vermisste, von selbst sich einstellen. Wären die Verfasser jenes Schulplanes und mit ihnen auch GrafHoym selbst nicht gleichfalls in jenem falschen Aufklärungsbegriff befangen gewesen, so hätten sie Alles, was mit dem Religionsbekenntnis zusammenhing, aus ihrem Entwurf gestrichen und den Plan zu einer einfachen Bürgerschule ausgearbeitet, in der jedem Kinde die notwendigste Allgemeinbildung, welche bis jetzt entweder überhaupt nicht oder nur in jammervollster Weise vorhanden war, hätte zugänglich gemacht werden müssen. Dann wäre die Schule ln Wahrheit eine Wohlthat und ein Segensquell für die ganze Gemeinde geworden. Was der Schulplan jedoch beabsichtigte, war nicht eine Bildungsschule, sondern in erster Linie eine religiöse Reformschule, und damit war die Ursache zu einer endlosen Reihe von Kämpfen gegeben, die eine gedeihliche Entwicklung der Anstalt unmöglich machten. Als der Plan der Kammer zur Prüfung eingereicht wurde, suchte diese zunächst den augenscheinlichsten Fehler, den die Verfasser begangen hatten, zu verbessern. Musste denn einmal die Religion in den Lehrplan aufgenommen ־werden, so durfte es damals gewiss nicht ohne gleichzeitige Einführung von Talmudunterricht geschehen. Eine Schule, an der zwar Hebräisch,