Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829640-2829646-2877485--24853-2877541- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
240 Emancipations-Bestrebungen in Breslau. Aufklärer: dort alle Erziehungs- und Unterrichtsgrundsätze der Basedow-Campe sehen Anhänger, die Erziehung zum Weltbürgertum, zur Aufklärung und Yerstandesbildung, die Eorderang körperlicher Abhärtung, die Entfernung jedes Zwangs und die Berechnung der Disciplinarmittel auf das Ehrgefühl; hier die Ausführungen über das Hebräische, über den Talmud, offenbar beeinflusst Y0n den Breslauischen aufgeklärten Generalprivilegierten, wie Lipmann Meyer und Anderen. Aber zur Durchführung dieses Planes war Y0r allem Energie, erforderlichen Ealles sogar Gewalt, nötig. Sämtliche Juden, die ihre Kinder nicht etwa die Gymnasien besuchen Hessen, mussten unnachsichtig gezwungen werden, ihre Knaben der neuen ׳Bildungsanstalt zuzuführen und sie den Winkelsckulen und polnischen Lehrern zu entziehen. Zimmer mann und Schummel hätten das dem Minister nahelegen müssen; denn sie wussten wohl, wie argwöhnisch jede Neuerung, die irgendwie auf das religiöse Gebiet hinüberspielte, von dem grössten Teil der Gemeinde betrachtet wurde. Sprachen sie es doch selbst im Eingänge ihres Gutachters aus, dass ,,jede Neuerung für den unaufgeklärten Teil der Nation nichts anderes, denn als wirklicher Eingriff in das Wesen der Religion erscheine.“ Man muss allerdings gestehen, dass jede Mahnung zu energischen oder gar gewaltsamen Massregeln bei der angeborenen Gutmütigkeit Hoynis, die vor solchen Schritten zurückschreckte, wohl vergeblich gewesen wäre. Jedoch trat er nachher so energisch, als er es überhaupt vermochte, für die Schule ein. Yiel schlimmer noch war ein anderer Umstand. Während die Bestrebungen der christlichen Aufklärer dahingingen, den Yerstand zur Herrschaft zu briiigen, d. h. Yorurteile durch Bildung zu zerstören, sollte den Juden die Aufklärung nicht nur Bildung bringen, sondern auch moralische Besserung. Es war das die Eolge des ebenso verbreiteten wie durchaus unbereebtigten Vorurteils, dass Talmud und Moral zwei einander widersprechende Dinge seien, dass also der talmudgläubige Jude unmöglich sittlich und gut sein könne. Nun gab es allerdings Laster und Untugenden, die unter den Juden speciell heimisch