Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 5)
- Language
- German
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242 Emancipations-Bestrebungen in Breslau» Bibel and Religion, aber nicht Talmud gelehrt wurde, das konnte für einen Talmudgläabigen — und wie wenige gab es, die das damals nicht waren! — nimmermehr eine Anstalt sein, die Juden erziehen wollte; das musste eine Schule sein, die keine anderen Absichten hatte, als zum Abfall von der überlieferten Religion zu verleiten und die Kinder gewaltsam zu Ungläubigen oder auch zu Andersgläubigen zu machen. Die Kammer sah das wohl ein: ״Der Argwohn würde entstehen, man wolle die Kinder als Christen erziehen, ebenso wie der vorgeschlagene Karne ״jüdische Bürgerschule“ leicht dazu veranlassen könne, den Bürger mit dem Christen zu verwechseln/‘!) Hoym war derselben Ansicht, und so zeigt sich das einen Juden der Jetztzeit gewiss höchst eigenartig berührende, die Juden־־ und Talmudhasser aller Zeiten aber tief beschämende Ergebnis, dass unter der Regierung eines Friedrich Wilhelm II., unter der Herrschaft eines Wöllner an einer zur moralischen und religiösen Yerbesserung der Juden eingerichteten Schule das Talmudstudium als obligatorischer Lehrgegenstand von der höchsten Staatsbehörde selbst eingeführt wurde. Es war dies zwar ein nach den Anschauungen der Kammer und des Ministers ganz consequenter Schritt, der jedoch erst recht anf dem falschen Wege zu einem falschen Ziele weiter führte. Denn jetzt hatte man den Plan zu einer Schule, die sich gegen den Talmud richtete, und dabei selb st den Talmud lehrte! Noch andere Abänderungen wurden durch das Hoym’sche Rescript getroffen. Zunächst sollte die neue Anstalt auf Wunsch der Gemeinde als äusseres Dankeszeichen für den Landesfürsten den Namen ״Königliche Wilhelmsschule“1 2) erhalten. Alsdann wurde der Sonntagsunterricht, als gegen das damalige Landespolizeigesetz verstossend, gestrichen und dafür im Sommer Nachmittagsstunden für den Freitag eingesetzt. Zur Aufsicht über die Schule wurde ein vollständiges Kollegium 1) St. A. St. Breslau II. 71 p., I. 2) Kurze Uehersieilten, über die Geschichte der Kgl. W.-Schule haben die späteren Direktoren J. M. Reumann und J. A. Prancolm in den Schulprogrammen der Jahre 1810 und 1841 veröffentlicht; sie ent־ halten — nicht immer genau — fast nur Allgemeines.