Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 2)
- Language
- German
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Emancipations-Bestrebungen in Breslau. 23U besonders heimischen: Unreinlichkeit, Gewinnsucht u. s. w. in ihrer Gemein Schädlichkeit stark ־and kräftig darstellen. An diese allgemeinen Pflichten des Menschen seien die speciellen des Bürgers anznschliessen: Respekt vor der Obrigkeit, Kenntnis der Gesetze u. s. w. Ganz besonders wünscht der Verfasser ausserdem die ,,körperliche Industrie“, z. B. Gartenbau, Baumzucht, Strumpfstricken, Turnen und körperliche Beschäftigungen, in den Lehrplan aufgenommen zu sehen, um damit zugleich bessere Gelegenheit zur Ausführung des § 15 des Maigesetzes zu geben, der den Breslauer Juden endlich einmal Tagelöhner- Arbeit und Handwerke zu treiben gestattete. Aber er verhehlt sich nicht, dass gerade diesem Punkte grosse und nicht leicht zu überwindende Schwierigkeiten •entgegen ständen. Neben Vorschlägen, die ökonomische Seite der Schuleinrichtung, die Stellung der Lehrer u. s. w. betreffend, werden auch der Handhabung der Disciplin einige interessante Worte gewidmet. Die jüdische Erziehung neige, im Durchschnitt genommen, mehr zu einer übertriebenen Strenge als zu ihrem Gegenteil und bringe dadurch gewöhnlich völlige Gefühllosigkeit bei den Kindern hervor. Die Schule werde gleich anfangs Zöglinge erhalten, die, einmal an Schläge gewöhnt, ohne dieselben sich keiner Zucht und Ordnung unterwerfen würden. Um so mehr müssten es sich deshalb die Lehrer zu ihrem point d’honneur, ja seihst zur Gewissenspflicht machen, körperliche Züchtigung zu vermeiden und andere Strafen, wenn nötig, einzuführen, die dem aus allen Kräften zu entwickelnden Gefühle für Ehre und Schande empfindlich fallen. Zum Schlüsse des Entwurfs wies der Verfasser auf die trostlose Lage hin, in der das weibliche Geschlecht sich befand, das überhaupt ohne Erziehung aufwuclis* eine Erziehungsanstalt für Mädchen sei, wenn erst einmal diese Schule eingerichtet worden, ein unabweisbares Bedürfniss. Die Anschauungen, aus denen heraus der mit Sorgfalt und Sachkenntniss ausgearbeitete Entwurf entstand, liegen auf der Hand: es sind die pädagogischen Theorien, wie sie die Philanthropen in jener Zeit mit so grossem Beifall verbreiteten, gemischt mit den Reform ideen der Men clelssohn scheu