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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 5 · p. Seite 218

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 5
Article
Das Schiur Komah
Date
1893-01-01
Page
Seite 218 (sequence 6)
Language
German
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218 Das Schiur Komah. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass wir es liier mit Theorieen zu thun haben, die in den gnostischen Systemen vollkommener ausgebildet waren. Die speculative Seite der gnostischen Systeme hat auf die Masse nie einen wirklichen Einfluss ausgeübt. Der dichtende Trieb jedoch, welcher sich in phantastischem Allegorisiexen kund gab und Principien zu anschaulichen Gestalten umbildete, übte einen besonderen Eeiz aus auf jedes leicht empfängliche Gemüth. Dazu gesellte sich auch der Glauben an Theurgie und Thaumaturgie, die eine vermeintliche Macht verliehen über die erkannten oder erschauten treibenden Mächte und über die personificierten Attribute Gottes, sowie der Glaube an apokalyptische Träumereieu, die alle den Boden des religiösen Glaubens untergraben mussten. Gegen diese trat dann die Eeaction ein, die auf der einen Seite alles Anstössige, Anthropomorphistische aus der Bibel ausschied, andererseits die apokalyptische Literatur ein״ fach negierte. Der Ursprung derselben muss demgemäss vor die Zeit des Widerstandes, vor die Zeit des Aquila und seiner Zeit״ genossen fallen und kann unmöglich so späten Ursprunges sein, wie bisher angenommen wurde. Diesem apriorischen Eesultate gesellt sich nun der positive Beweis der frühen Existenz des Schiur Komah hinzu. Es ist für unsere Frage immateriell, die Quellen der Haeresiologie aufzusuchen. Ob Epiphanius, Pseudotertullian und Hippolytus auf eine gemeinsame, jetzt verloren gegangene Urquelle zurückgehen, ob Irenaeus zunächst als Quelle geclacht werden kann, oder ob Irenaeus selber einen Theil der jetzt verlorenen, die ICetzer bekämpfenden Schrift des Justinus, in seine eigene aufgenommen hat? Das ist die Frage. Die Quellenkritik der Geschichte des Gnosticismus ist zwar von Harnack, Lipsius und Yolkmar geübt worden. Koch aber ist das letzte Wort darüber nicht gesprochen worden, und manches in der Geschichte der gnostischen Systeme ist nach wie vor noch dunkel geblieben. So besonders die Frage, was hat der Gnosticismus aus dem Judenthume aufgenommen, und in welcher Form hat er es aufgenommen? Und umgekehrt: welche Spuren hat der Gnosticismus im Judenthume zurückgelassen? Graetz und Joel haben den Gegenstand behandelt, ebenso Frank und Krochmal. Bei der Ungewissheit aber, die in der Geschichte des Gnosticismus herrscht, ist für absebahre Zeit eine befriedigende positive Antwort kaum zu erwarten. Wie bemerkt, ist es gewiss nicht die speculative Seite, die abstracte

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