Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Schiur Komah
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 5)
- Language
- German
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Das Schiut Komah. 217 Diese Beschreibung־ Gottes ist verhältnissmässig nüchtern, im Vergleich zu der zweiten Recension des S. Rasiel (f. 37b), in welcher nicht blos die Arme, die Augen und der Kopf gemessen werden, sondern auch das Mass eines jeden Gliedes angegeben wird und zugleich mysteriöse Buchstaben-Combinationen hinzugefügt werden. Es ist eigentlich nur die consequente Durchführung desselben Principes, indem es auf das Mass des ganzen Körpers ausgedehnt wurde. Biblische Verse konnten in Hülle und Fülle in diese anthr opomorphistische Beschreibung hineingezwängt werden. Dass solche Beschreibungen oder Andeutungen, wie Ezechiel( und Daniel sie bieten, den Hintergrund des grotesken שיעור קומה bilden, kann nicht bezweifelt werden. Sie bilden gleichsam die Entschuldigung für ein solches Unternehmen, das aber nur im Zusammenhänge mit anderen Erscheinungen richtig erfasst und beurtheilt werden kann. Wir müssen den Ursprung desselben in einer Zeit suchen, wo der bewusste Gegensatz gegen die Vermenschlichung Gottes durch anthropomorphistische Aufassung und Beschreibung sich noch nicht entwickelt hatte. Die Gefahr, die darin lag, wurde erst nach der Verbreitung des Christenthums erkannt; und daher stammt denn an 0h der Widerspruch der Tannaiten gegen die vorhandenen Uebersetzungen der Bibel, der seinen Höhepunkt erreichte zur Zeit des Aquila. In diesem Zusammenhänge wird erst die Scheu vor dem Unterrichte in der מעשה מרכבה, ja sogar das Verbot, sich damit abzugeben, erklärlich.1) Es führte nicht, wie bisher angenommen wurde, zu einer abstracten Philosophie, sondern umgekehrt zu einer grobsinnlichen Auffassung der Gottheit, und konnte Folgen haben, die für das ethische Judenthum und für die Erhaltung der spiritualistischen Auffassung der Gottheit, wie sie das Judenthum lehrt, verderblich werden mussten. Ebenso verhält es sich mit den phantastischen Kosmogonieen jener Zeit, mit den eigenthümlichen, mythologisch gefärbten Darstellungen der Schöpfung, die schnurstracks der Erzählung Genesis, c. I., zuwiderlaufen. Das Verbot erstreckte sich darum auch auf das מעשה בראשית. Eine Theorie, wie sie R. Samuel b. Nachman.2) flüsternd mittheilt, und wie er sie auch im Flüstertöne empfangen haben will, ist, wenn sie consequent durchgeführt wird, nicht mit der mosaischen Schöpfungsgeschichte vereinbar. 1) Chagiga f. 11b; vgL Bacher, Aggada der Tannaiten I., 1884, p. 341. 2) Genesis rabba, sect. III, Anfang; vgl יד יוסף ad 10c. Monatsschrift. 37. Jahrgang. 15