Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die erste halachische Controverse
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die erste halachische Controverse. 203 ו״ט\ Man sehe sich nun nochmals clie Mischnah im Lichte der Tosifta an und stelle sich die Frage, ob sie einer Ergänzung bedarf? Ich glaube, die Frage mit aller Entschiedenheit verneinen zu müssen. Das Hauptwort ערלות ist das Subject auch des Nachsatzes. In Bezug auf Ganzopfer die nicht als עולות ראייה gelten wollen, und ebenso hinsichtlich der שלמים ist insofern keine Controverse, als jene stets מן החולין dargebracht werden müssen, diese auch מן השלמים dargebracht werden können; in Bezug auf עולת ראייה hingegen, das nach ב״ש> trotzdem es erst am Halbfeste dargebracht wird, den Namen עולת של ירט הראשון führt, gehen die Ansichten auseinander, denn ב'׳ש fordert reine חולין und!ב׳ד gestattet auch reinen ״מעשר Vergleicht man die Mischnah, die Tosifta und die Baraitha in Sifre zu Deuter. 16, 2 und Bezah 19b mit einander, so erkennt man sofort, dass sie drei ganz verschiedene Phasen darstellen, und dass die gewaltsame Interpretation der Amoräer auf nichts Anderes zurückzuführen ist,, als auf das Bestreben, die letzte Phase der halachiscken Entwickelung als eine alte hinzustellen, oder richtiger den Entwickelungsgang zu verwischen. Es handelt sich aber für uns nicht darum, blos zu wissen, welche Norm die Amoräer über diesen Punkt von den letzten Tannaiten überkommen haben, sondern auch, durch welche Stadien, diese Norm gegangen ist. Und da müssen wir an der Hand der Quellen eine vom Standpunkte der Erleichterung zu dem der Erschwerung hin fortschreitende Ent- Wickelung constatieren. Die Mischnah, welche eine der ältesten Controversen der beiden Schulen zum Inhalte hat, lehrt, dass die Hilleliten die Kosten des Fest-Ganzopfers aus dem Zehnten zu bestreiten gestatten, die Tosifta will sie nur eine partielle Verwendung des Zehnten auf Ganzopfer des Festes gestatten lassen, und die Baraitha fordert sogar für חגינה die Verwendung von חולין. Die Opposition der Schammaiten ist also doch nicht ohne jeglichen Einfluss auf die Anschauung der Hilleliten geblieben. Wir werden aber bald sehen, dass auch die Schammaiten, theilweise wenigstens, die frühere Rigorosität gemildert haben. Es hat sich uns aus der, ihrem intact gelassenen Wortlaute nach, richtig aufgefassten Mischnah Chagigah 1, 3 als Resultat die feststehende Thatsache ergehen, dass die beiden Schulen HillePs und Schanimai’s über die Verwendung des ״Zehnten“ zu Fest-Opfern im Allgemeinen controversierten, d. h. darüber, ob es statthaft oder unstatthaft sei מעשר בהמה oder מעשר של (die ja in diesem Punkte völlig gleich sind), 14*