Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 4 · p. Seite 196

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 4
Article
Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
Date
1893-01-01
Page
Seite 196 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829640-2829645-2877408--24787-2877464
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

196 Emancipatious-Bestrebungen in Breslau. Gymnasiums und Inspektor des städtischen Lehrerseminars, der ihn verfasst hatte, war einer der bedeutendsten Schulmänner der damaligen Zeit, der auch bei der Kammer hohes Vertrauen genoss; sie hatte cs deshalb nicht für nötig befundei], ihm eine specielle Instruktion zu geben. Nur das Ziel der Schule, die Breslauer Juden zu brauchbaren Gliedern des Staates zu bilden, sowie das charakteristische Merkmal, das die neue Anstalt von allen anderen öffentlichen Schulen unterscheiden sollte, wurden angegeben: nämlich ״die durchaus notwendige Aufnähme der Kenntniss der jüdischen Religionsgebräuche“ in den Lehrstoff. Ueber das Letztere sollte Zimmermann, die nötige Auskunft geben, überhaupt mit allem Schummel an die Hand gehen. Mit grösstem Eifer gingen die Beiden ans Werk und entwarfen einen .ausführlichen Schulplan und ״Lektionskatalog.“׳i) Ein commissarius perpetuus sollte darnach die Aufsicht über das Innere und Aeussere der Schule haben. Der Unterricht sollte auch am Sonntag erteilt werden, nicht aber am Freitag Nachmittag und Sonnabend. Das Hebräische müsse nicht nach der Manier der polnischen Juden, sondern nach ordentlieber Methode gelehrt werden: 1 höchstens 2 Stunden täglich, vom Leichteren zum Schwereren in den 2 Klassen aufsteigend, unter Ausschluss alles eigentlich Gelehrten, auch des Talmuds, und unter sorgfältiger Auswahl des aus der Bibel und dem Gebetbuch zu entnehmenden Uehersetzungsstoffes. Die Wahl der hierzu bestimmten Lehrer müsse eine ganz besonders sorgfaltige sein und dürfe nicht der Gemeinde, sondern nur dem Staate überlassen sein, der sich zu überzeugen habe, ״ob sie von talmudischen und rabbinischen Grillen rein, das alte Testament wirklich selbst verstehen und seinen Sinn der Jugend an Verstand und Herz zu legen wissen. Wird hierin nicht alle Vorsicht beobachtet oder den Vorurteilen der Nation zu viel nachgegeben, so ist alle Arbeit vergeblich, und es ist von diesem Institute für die Moralität wenig oder gar kein Gewinn zu hoffen.u Nächst dem Hebräischen sei besonders 1) Man vergl. über ihn Hippe’s Aufsatz im 26. Bde. der Zeitschrift für Geschichte und Altertum Schlesiens.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.