Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 3)
- Language
- German
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190 Emancipations-Bestrebungen in Breslau. die Talmutisten sich von den Mosaiten trennen, wo alsdann die letzteren, weil sie nicht so strenge an den Jüdischen Ge״ brauchen hängen, gleiche Rechte mit den Christen erlangen können.“ Wir brauchen nicht erst darauf hinzuweisen, wie angreifbar die YorStellung von den ,,Pflichten und Freiheiten“ eines Staatsbürgers ist, die Zimmermann hier zu Grunde legt, und wie schief der Gesichtspunkt ist, von dem aus er die notwendige Aufklärung unter den Juden forderte. Zudem hatte er auch selber das klare Gefühl, dass die Sache doch nicht so einfach zu erledigen sei, wie er es darstellte, und glaubte, dass es deshalb ״vor der Hand wohl nur der Pallyativ - Mittel bedürfe.“ Als solche schlägt er vor allem eine bessere Einrichtung der Schulen vor, damit ״in solchen nicht bloss Ceremonien-Gottesdienst, sondern Unterricht vorzüglich für die Jugend getrieben würde.u In der That, der Mangel an ordentlichen Schulen war die wunde Stelle im jüdischen Gemeindeleben nicht nur, sondern im damaligen preussischen Staatsw.esen überhaupt. ״Die Elementarschulen auf dem Lande waren in traurigster Verfassung. Religion, d. h. einige Redensarten, die dem Knaben von dem unfähigen Lehrer nur erklärt wurden, mit notdürftigem Lesen, unorthographischem Schreiben und einigem Rechnen war alles, was der Bauer lernte“.1) Solchen Zuständen ein Ende zu machen, war das eifrigste Bestreben des freigesinnten Ministers Zedlitz, sowie aller Gebildeten nnd Aufgeklärten auch unter den Juden. Errichtung von Schulen! Das war der Punkt, von dem gleichfalls die ersten weitgreifenden Bewegungen der Mendelssohnianer 2j3 eines Wessely, Friedländer, Homberg, ausgegangen waren, der Punkt, der von ihnen am meisten betont, am meisten in den Vordergrund gerückt wurde. Und mit Recht. Denn die Zustände waren traurig genug. ״Es ist hier nicht eine einzige jüdische L) Philipps בנס, I, 126, 202. 2) Ueber Mendelssohn und die Erziehung 's, Ritter, David Fried-!ander, S. 37; Brasch, Einleitung zu den Mendelssohnschen philosophisehen Schriften, S. LXYI; Frankel im Leasing-Mendelssohn׳Dedenkbuch, S. 173 f.