Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Schiur Komah
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 5)
- Language
- German
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Das Schiur Komah. 183 Manche Sage und manche Haggada ist nur auf künstliche Weise mit einem Bibelworte verbunden worden, das ursprünglich nichts damit zu thun hatte. Das Schiur Kornah, um richtig verstanden zu werden, muss im Zusammenhänge mit einem anderen mystischen Kreise betrachtet werden, zu welchem es nothwendigerweise gehört; und zwar mit den apokalyptischen Visionen des Himmels und der himmlischen Heerschaaren, deren Centrum die Gottheit ist. Solche apokalyptischen Himmelfahrten kennt die jüdische und altchristliche ebenso wie manche andere Litteraturen von alter Zeit her. Ich behalte es mir vor, diesen ganzen Litteraturkreis im Zusammenhänge zu behandeln. Er ist viel ausgedehnter, als er auf den ersten Blick erscheint, und Wanderungen durch Himmel, Hölle und Paradies setzen sich bis auf die neuere Zeit fort. In der hebräisch erhaltenen Litteratur haben wir nur die Ascensio von Moses in mehrfachen Varianten, und die noch besser bekannten des Isrnael, in ebenso zahlreichen Varianten. Es sind kaum zwei HSS. die einander vollkommen ähnlich siud, noch weniger scheint ein einziger Text in seiner ursprünglichen Form sich erhalten zu haben. Jede HS. und jede Becension wimmelt von unzähligen Interpolationen, Lücken, Fehlern, Zusätzen und Umstellungen der absonderlichsten Art. Der volkstümliche Charakter dieser Schriften zeigt sich eben in der Willkiirliclikeit, mit der sie von den Abschreibern und Compilatoren behandelt werden. Schriften, die sich einer gewissen canonischen oder legalen Autorität erfreuen, werden ganz anders behandelt. Kaum dass hie und da ein Satz eingeschoben oder ausgelassen wird. Die Haggadab im weitesten Sinne ist anders behandelt worden als z. B. ספרא oder מכילתא oder gar die Mischna. Dieser Zustand des Textes der mystischen und legendären Litteratur hat auch meist dazu beigetragen, dass deren Alter bisher so schwer festgestellt werden konnte. Das freie Schalten mit dem Texte, welches sich auch auf die Sprache desselben erstreckte, indem der Ab- Schreiber neuere Formen und Bedewendungen an Stelle der alten an wendet, hat es fast unmöglich gemacht, in der Sprache und Form ein Criterium für das wahre Alter der betreffenden Schriften za finden. Der Vergleich zwischen den verschiedenen Varianten desselben Textes bestätigt das eben Bemerkte. Ascensionen von Moses haben wir a) מעין החכמה in mehreren Ausgaben, die