Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Schiur Komah
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 4)
- Language
- German
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182 Das Scbiur Komali. Erst nachdem die geistige Thätigkeit auf dem Gebiete der Schul-Litteratur sieb erschöpft hat, wendet sich der Geist der bis dahin wenig beachteten oder gar verachteten Volkslitteratm* zu. Nach Abschluss der talmudisch-halachiscken. Thätigkeit taucht die alte Litteratur daher wieder auf. Sie wird nun in den Kreis der Schule hineingetragen und von da in die Synagoge verpflanzt, dadurch ist ihre weitere Duldung und Erhaltung gesichert. Sobald die Hechaloth mit der Keduscha officiell verknüpft werden, erhalten sie einen locus stau di; sobald die einzelnen Sagen, zu ״Legenden“ werden, d. 11: zu Gegenständen, die in der Synagoge gelesen oder erzählt werden, erhalten sie eine liturgische Weihe, die sie vor der Zerstörung der Zeit schützt. Dieses erschöpft natürlicherweise nicht alle Ursachen der Erneuerung der alten Yolkslitteratur. Die Richtung des Geistes und Geschmackes, die poetanische Thätigkeit, und mannichfaltige äussere Einflüsse wirken auch darauf hin. Ich bin nun bei dem eigentlichen Gegenstände dieser Abhandlung angelangt: nämlich bei dem ״Schiur Komah“ oder der genauen Beschreibung dkr Grösse des göttlichen Körpers und die Messung der Gliedmassen mit dem göttlichen Maasse. Der Erste, den diese Schrilt genauer untersucht hat, ist Graetz, welcher den Ursprung derselben auf arabische Einflüsse zmückführt, speciell auf den der Mug’assima. In seiner Untersuchung über ,,die mystische Literatur in der geonäischen Epoche“J) betrachtet er ־) das ״Schiur Komah“ als den eigentliehen Kern der jüdischen Mystik im genannten Zeitraum ״־■■ was, wie sich weiter zeigen wird, durchaus nicht der Pall ist. Jellinek3) dagegen giebt dem Schiur Komah einen jüdischen Ursprung und sucht den Ausgangspunkt desselben im Hohenliede ״in 1 *welchem Gott nach der im Judeuthum verbreiteten allegorischen Auffassung, als Freund und Bräutigam Sulamit’s in menschlichen Gliedern geschildert wird.“ Thatsächlich aber wird im Schiur Komah nie Bezug genommen auf das Hohe-Lied mit Ausnahme des Schlussparagraphen, welcher im Namen der R. Nathan, des Schülers des R. Ismael, tradiert wird.4) Es fehlt also für diese Hypothese der bündige Beweis. Denn Anlehnung an biblische Texte ist nicht immer zu gleicher Zeit auch Abhängigkeit von demselben. 1) Monatschrift VIII, 1859, S. 67 ff. a. a. 0. S. 113. 3) Beth-hamidrasch, VI, XXXXII—III. d) Sefer Basiel, ed. AmstercL f. 38a.