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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 4 · p. Seite 181

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 4
Article
Das Schiur Komah
Date
1893-01-01
Page
Seite 181 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Das Schiiir Komah. 181 nicht zu verkennen; und im Zusammen hange mit einander muss dieser gesamte Kreis behandelt werden. Die eine Schrift oder die eine Sage verbreitet hier Licht auch über die anderen. Nicht dass ich für jetzt den letzten Grund dieser Erscheinungen zu erforschen anstrebte. Es wäre das ein äusserst interessantes und wichtiges Problem; es gehört jedoch dem Gebiete der Völkerpsychologie an. Ich beschränke mich hier auf die litterarische Erscheinung, insoweit als diese geistige Richtung im Schrifttkume Ausdruck gefunden hat, und insoweit als diese verschiedenen Litteraturen mit einander verwandt sind. Ich muss nun zuvörderst noch die Frage zu beantworten versuchen, warum ein so langer Zeitraum zwischen dem von mir angenommenen hohen Alter der betreffenden Sagen und Legenden und dem so späten Auftauchen derselben vergangen ist. Der Charakter dieser Litteratur bietet den Schlüssel zur Lösung des Problems. Es wiederholt sich eben in der jüdischen Litteratur dieselbe Erscheinung, die wir hei den Litteraturen anderer Völker wahrnehmen. Mystische, apokalyptische und legendenartige^Schriften sind im eigentlichen Sinne die Litteratur des Volkers. Sie entsprechen einem populären Bedürfnisse und sind auch einzig und allein für die Belehrung oder Begeisterung der Masse berechnet. Dieser steht gegenüber die Litteratur der Schule, der geübten geistigen Thätigkeit, des verfeinerten Geschmackes und der abstracten Form. Mit dem Augenblicke, wo diese die Oberhand gewinnt und das gesammte Interesse der Edelsten aut sich concentriert, ist kein Raum mehr vorhanden für die Volkslitteratur, die für jene gar nicht existiert, oder kaum einer flüchtigen Beachtung für würdig gehalten wird. Ein Kapitel aus der griechischen Litteratur wird uns dieselbe Erscheinung auch dort zeigen. Die Alexandersage, von der bekanntlich wesentliehe Theile sich im Talmud erhalten haben, gehört, in ihrer ursprünglichen Form dem 1. oder 2. Jahrhundert an. Sie verschwändet jedoch für Jahrhunderte und taucht erst spät in der byzantinischen Epoche wieder auf. Ebenso verhält es sieh mit den, bis auf wreilige Ausnahmen, verschollenen Milesischen Sagen oder Märchen, von denen eines durch Apuleius erhalten ist. Ebenso unbemerkt schleicht sich die gesamte mystische Litteratur der Griechen durch das Dunkel der Jahrhunderte, bis sie spät eine Auferstehung feiert. Hermes Trismegistes ist ein Gegenbild und Seiten stück zu Ismael dem Hohenpriester u. s. w.

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