Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 4 · p. Seite 180

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 4
Article
Das Schiur Komah
Date
1893-01-01
Page
Seite 180 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2829132-2829640-2829645-2877405--24766-2877448
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

180 Das Schiux Ko mall. Kapitel 8 über Geschichtliche Hagada, und im c. 9 üb. Geheimlehre. Wie ich später zu beweisen hoffe, ־wird sich gerade für die in diesen Kapiteln gehandelten Litteratur ein Alter ergeben, das ungefähr um 1000 Jahre von dem von Zunz und Anderen angenommenen differiert. Ebensowenig als Midrasch Yajjisu (׳ ויסעוft) ein Produkt jüngerer hagadistischer Thätigkeit ist, und vielmehr dem 1. oder 2. Jahrhundert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung angehört, genauso wenig ist Josippon, nach der später kineingetragenen Alexander-Sage, dem 9. Jahrhundert zuzuschreiben1). Ebenso verhält es sich mit den Pirke de K. Elieser, Sef. Hajjaschar und anderen biblisch-legendarischen Sammlungen, deren Inhalt sich sehr früh schon in jüdischer und nichtjüdischer Literatur nachweisen lässt. Der Legenden- Stoff im Targum Jeruschalmi zum Pentateuch, gehört demselben frühen Zeitalter an. Das Durchlesen solcher Bücher, wie des Buches Heil och, des Buches der Jubiläen, der Apokalypsen des Moses, Esra, Paul, der Assumptlo Mosis, der Ascensio Jesaiae, der Testamente der XII Patriarchen genügt, um den Leser von dem Vorhandensein jenes Stoffes in alter Zeit zu überzeugen. Genau so verhält es sich mit der ,,Geheimlehreu oder Eschatologie, denn diese bildet den Kern zahlreicher litterari scher Erscheinungen. Sie gehören einer uralten Zeit an und sind Ueberreste eines eigentheimlichen, noch lange nicht genügend erforschten nncl noch viel weniger aufgekläi teil Literaturkreises, dem im Alterthume eine äusserst einflussreiche Bolle zuertheilt war. Mysticismus ist das Gepräge des Seelenlebens der orientalischen Völker, gerade zu jener Zeit, in welcher der grosse Umschwung in dem Glauben eintrat. Parsismus, besonders wie er in der Periode der Sassaniden sich entwickelt hat, — meistens in den im Pchlevi abgefassten Schriften erhalten —; Gnosticismus, besonders.* des Basilides und Mani; Mysterien des verfallenden griechischen Götterglaubens undCultus; Aberglauben, wie er sich in den! Leben des Apollonius v. Tyana oder in der Vertheidigung des Apuleius wiederspiegelt; assyrisch - babylonische Beschwörungen und Amulette — alles das ist eben nur der Ausdruck des zu der Zeit herrschenden Geistes, welcher zum Mysticismus hinneigte. Ein innerer Zusammenhang zwischen diesen mannigfachen Litteraturen ist trotz der Verschiedenheit von Ort und Sprache 1) Zunz, Gottesd. Vorträge, p. 158.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.