Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Neutestamentliche Studien. 168 Stelle (Pes. 21, ed. Friedmann p. 108 b), die zwar etwas defect, deren Sinn aber klar ist, besagt, dass die ganze menschliche Gesellschaft im Ebenbilde Gottes geschaffen sei, deshalb לא ״ תסהיד על חברך ההדר דשקרsollst du gegen deinen Chaber kein falsches Zeugniss ablegen“. Dass hier unter Chaber der Mensch schlechthin zu verstehen sei, geht doch aus der Begründung, wie aus der Beziehung auf die angeführte Stelle in der Schöpfungsgeschichte unzweifelhafthervor. InBerach. 17 b wird mitgetheilt, dass die Rabbinen von Jamnia zu sagen pflegten: ״Ich bin ein Geschöpf und mein Nebenmensch (חברי) ist ein Geschöpf, ich verrichte meine Arbeit (מלאכתי) in der Stadt, während er die seinige auf dem Felde verrichtet, ich begebe mich früh an die Arbeit und er begiebt sich früh an die Arbeit, wie er von der seinigen kein Aufhebens macht, so ich nicht von der meinigen. Solltest du aber meinen: ich leiste viel und er wenig, nun wir lernen ja aus der Mischna (Menach., Ende): Viel oder wenig, wenn man es nur um Gotteswillen tliut!“ Da 111er der Sprecher sich nur als Geschöpf und ebenso seinen Chaber bezeichnet, mit dem er sich auf eine Stufe stellt, obwohl dieser nur ein Bauer ist, so kann er an einen Unterschied zwischen Mensch und Mensch nicht gedacht haben, ja der Satz will vielmehr die gleiche Verdienstlichkeit jedweder rechtschaffenen menschlichen Thätigkeit betonen und geht augenscheinlich von einer Anschauung aus, aus welcher die umfassendste Menschenliebe sieh von seihst ergiebt. ßaschi z. St. verstellt den Satz allerdings so, als ob mit der Arbeit in der Stadt die Beschäftigung mit der Thora gemeint wäre, während mit der bäuerlichen Thätigkeit die des Am-ha-Arez bezeichnet sein soll. Möglich, dass Raschi zu dieser Auffassung, welche seitdem traditionell ist,A) durch den Umstand bestimmt wurde, dass es sich um einen Wahlspruch von ״Rabbinen“ handelt, in den Worten ist sie nicht begründet. Im Gegentheil. מלאכה heisst sonst immer körperliehe Arbeit, im Unterschiede von der geistigen, insbesondere dem Thorastudium. Immerhin würde bei dieser Auffassung aus der Stelle ־wenigstens dies sich ergehen, dass von den Rabbinen in Jamnia der Am-ha־Arez als gleich verdienstlich dem Thorabeflissenen zur Seite gestellt wurde, dass aus diesem Gelehrtenkreise jeder den Am-ha-Arez als חברי bezeichnet©. Und da soll es nach Hilgenfeld ״zweifelhaft‘4 sein, dass 1) Lampionti, פחד יצחק s. v. מרגלא* Rafael Hohen, מרפא לשון (Altona 1790), Einleitung.