Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 12)
- Language
- German
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164 Die erste balachische Controverse. ״Hillel (mit seinem לחברך) auch an das gewöhnliche Volk unter den Juden gedacht habe“! Ich mache den Schluss mit einer auf den ersten Blättern jedes jüdischen Gebetbuches befindlichen, Berach. 16b entnommenen Stelle, welche lautet: ״Es möge dir wohlgefällig sein, Ewiger, unser Gott und Gott unserer Täter, uns zu bewahren vor Frechen und vor Frechheit, vor bösen Menschen (מאדם רע) und bösem Begegniss, vor böser Begier, vor bösem Gefährten י(מחבר רש vor bösem Nachbar (משבן רע), vor dem verderblichen Anstoss, vor hartem Gericht und hartem Gegner, mag er ein Bundesbruder (Israelit), oder kein Bundesbruder sein.“ Es liegt auf der Hand, dass die Schlussworte auf alle in dem Gebete erwähnten Personen sich beziehen, die nur, als dem Beter näher oder ferner stehend, je nach den verschiedenen Be- Ziehungen mit verschiedenen Ausdrücken benannt werden — Mensch, Gefährte, Nachbar, Processgegner —, dass demnach auch der Nichtisraelit als חבר ausdrücklich bezeichnet wird. Die erste halachische Controverse. Yon Dr. A. Schwarz in Karlsruhe. Die traditionelle Lehre des israelitischen Volkes ist ein mächtig dahinfluthender Strom, dessen Quellgebiet, allen entgegengesetzten Behauptungen zum Trotze, nach den Ergebnissen streng wissenschaftlicher Forschung auf den lichten Höhen des Sinai liegt. Jahrtausende hindurch hat dieser Strom durch seine, jedwedes Ausbiegen vermeidende, gerade Richtung und ebenso durch die, eine ungewöhnliche Tiefe verrathende Klarheit seiner Spiegelfläche etwas Majestätisches; bis zur Makkabäerzeit ist keinerlei Verzweigung und Verästelung an ihm zu gewahren. Da sendet er mit einem Male, unter dem Sturm, welcher über Judaea’s Fluren dahinbraust, nach rechts und links einen Arm aus, was darauf hindeatet, dass die bisher streng einheitliche Richtung von einer tiefgehenden Spaltung bedroht wird. Indess vergehen fast zwei Jahrhunderte, ohne dass eine wesentliche Aenderung eintritt. Die ausgesendeten zwei Arme fliessen zwar eine lange Strecke weit neben dem Hauptstrome, die Hoffnung jedoch, dass sie sich mit ihm wieder vereinigen werden, erwreist sich als eine trügerische. Im Gegentheil, anstatt der erwarteten Vereinigung kommen zu der