Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829640-2829645-2877401--24741-2877430- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
162 Neutestameatliche Studien. schlechtweg, also je nach dem Zusammenhang den Nächsten wie den Collegen (=Ohaber), aber uni den letzteren als solchen zu bezeichnen, ist die Weglassung des Pron. poss. unumgänglich nothwendig. Ich belege den geschilderten Sprachgebrauch mit einigen Beispielen. המקבל צליו ד דברים מקבלין אותו להיות חבר (Tos. Demai 11, 2) ״Wer Tier Dinge auf sich nimmt, den nimmt man auf, ein 011 ab er (ohne Pron. poss.) zu sein.״ (Man vgl. übrigens den ganzen Abschnitt). Dagegen החובל בחבלו (M. Bab. Kam. 8,1) ״Wer einen Anderen verwundet“ (denn es giebt in der Oriminalistik auch einen חובל בעצמו, das. 6),הנותן מתנה לחברו צריך להודיעו (Sabb. 10b) ״Wer einen Anderen beschenkt, muss es ihm kundthun,“ המלבין פני חברו ברבים אין לו חלק לעוה״ב (Bab.mex. 59a) ,,Wer einen Anderen öffentlich beschämt, ist der ewigen Seligkeit verlustig“, ואל תדין את חברך עד שתגיע למקומו (Abot 11, 4) ״Beurtheile einen Anderen nicht, bis du an seine Stelle gelangst“, יהי כבוד חברך חביב עליך כשלך (das. 10) ״Es sei des Anderen Ehre dir so lieb wie die deine“ u. s. w. In allen diesen Beispielen ist חבל mit dem Pron. poss. versehen. Und nun frage ich, ob meine Ueb er Setzung: .,,Was dir verhasst ist, das thue einem Anderen nicht“, den Sinn der Worte Hillel’s dahin richtig wiedergiebt, dass dieselben die Aufforderung zur uneingeschränktesten Menschenliebe enthalten, oder ob Hilgenfeld unter der Beistimmung Siegfriede mit Berufung aufdasLevy’sche Wörterbuch (dessen Angaben ich übrigens nicht im Entferntesten antaste), Recht hat, zu sagen, ״dass der Ohaber (richtig ,,dein Chaber“) im Munde Hillel’s, schon den Nebenmenschen überhaupt bezeichne, von welchem Jesus unzweifelhaft spricht, ist doch nur eine Behauptung Giidemann ’ s“, sowie dass ,,es sogar zweifelhaft“ sei, dass Hillel auch an das gewöhnliche Volk unter den Juden gedacht habe“. Wenn nicht zuvor alle Gesetze der Grammatik kurz und klein geschlagen werden, kann mau diesen Sinn in die Worte Hillel’s nicht hineinlegen. Es dürfte übrigens bei der Wichtigkeit der Sache nicht überflüssig sein, den ausdrücklichen Nachweis zu führen, dass auch da, wo von dem Menschen als solchem die Rede ist, der Ausdruck חבל gebraucht wird und daher nur in der Bedeutung des Nebenmenschen verstanden werden kann. So werden in der Pesikta rabbati die Zehngebote als den zehn Schöpfungsworten (צשלה מאמלות) entsprechend dargestellt, und. das neunte Gebot wird auf Genes. I, 26 ״Wir wollen einen Menschen machen in unserem Ebenbilde“ bezogen. Die