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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 4 · p. Seite 160

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 4
Article
Neutestamentliche Studien
Date
1893-01-01
Page
Seite 160 (sequence 8)
Language
German
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160 Neutestamentliche Stadien. handelt. Dass H. mit seiner Vertretung* der ersteren Deutung Becht hat, dafür dürfen wir Glidernanii selbst als classischen Zeugen anführen, der in seinem Werke1) in der Einleitung S. VIII sagt: ״Der Ungelehrte, Am-ha-Arez, war verachtet, seinen Gegensatz und, wie schon der Ausdruck besagt, die eigentliche Gesellschaft, bildete der Chaber. Dieser Classe gehörten die hervorragenden Lehrer und Gesetzgeber an etc.“ Demnach umfasste Hillers . Nächstenliebe noch nicht einmal das gesammte jüdische Volk, geschweige die Heiden.“ Ich gestehe, wenn dies nicht Spass sein soll, dass ich mich nur wundern kann, wie würdige Gelehrte so etwas ernsthaft niederschreiben konnten. Zunächst kehre ich mich gegen Siegfried’s so entschiedenes ״Demnach“, welches die schönste Illustration des talmudischen תלי תניא בילא תניא bildet. Muss denn, weil die Spannung zwischen den Gelehrten kreisen und den Ungebildeten bestand, Hillel dieselbe gebilligt haben? Wohin kämen wir, wenn ־wir die Irrthtimer und Ausartungen eines Zeitalters auch den Lichtgestalten desselben beimessen und ihre Anschauungen nach jenen beurtheilen wollten. Sie sind ja eben deswegen Lichtgestalten, weil sie aus dem Dunkel ihrer Umgebung hervorragen. Also schon vom Gesichtspunkte allgemeiner geschichtlicher Erfahrung thäte man Hillel schweres Unrecht, wenn man ihm — dem ehemaligen Holzhacker — Classenstolz zur Last legen und ,,demnach1‘ annehmen wollte, dass seine Nächstenliebe ״noch nicht einmal das gesammte jüdische Volk, geschweige die Heiden umfasste.“ Die im Talmud im Zusammenhänge mit dem mehr erwähnten Vorgange berichteten ähnlichen Facta, wie dieser selbst, wollen ja augenscheinlich sein liebevolles Verhalten gegen die Heiden in’s Licht stellen, und sie zeigen, dass er in diesem Punkte seihst zu Sammai im Gegensätze sich befand, von anderen Zeitgenossen nicht zu reden. Haufenweise kann ich allerdings die Hillel nicht nachweisen, aber der eine nachweisbare genügt auch für unsere Untersuchung vollständig. Mehr wären weniger, Indessen handelt es sich hier gar nicht um eine historische, sondern um eine ganz nüchterne grammatische Frage, nämlich um die Bedeutung des לחברך■ in dem .HillePsclien Satze: ״Was dir verhasst ist, das thue auch einem Anderen nicht“, und darüber, sollte ich meinen, müsste sich eine ״Verständigung“, sogar ohne Zuhilfenahme des Levy’schen Wörterbuclies, meinetwegen aber unter Controlle desselben, doch er* 1) Es sind die ״Quellenschriften“ gemeint.

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