Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 6)
- Language
- German
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158 Neutestamentliche Studien. Deshalb wurde in einer denkwürdigen Tannaitenversammlung die Frage, ob auf das Lernen (לימוד), oder das Ansüben (מעשה) sc. der Thoravorschriften das grössere Gewicht zu legen sei, zu Gunsten des ersteren entschieden (Kiddusch. 40b, vgl. M. Pea I, 1), allerdings mit der Begründung, dass jenes zu diesem hinleite, weshalb Sätze wie dieser ״blicht die Forschung ist die Hauptsache, sondern die That4‘ (Abot T, 17) neben der erwähnten Entscheidung ganz wohl bestehen können. Jedenfalls geht daraus, dass auf das Lernen ein solches Gewicht gelegt wurde, hervor, dass die ,,Gesetzeserfüllung44, die ״Gesetzlidhkeit“ nur für denjenigen als Ziel und Zweck der jüdisehen Lehre gelten kann, welcher dieselbe lediglich aus dem NT kennt. Yollends unrichtig ist es, wenn man, ihren exotexisehen Charakter in’s Auge fassend, sie als eine gegenüber der Menschheit gezogene ״Schranke44 betrachtet. Das Judenthum ist nicht aas Exclusivität keine missionirende Religion geworden, sondern deshalb, weil es sich als eine Erziehungsanstalt betrachtete, deren Resultate auch ausserhalb derselben, allerdings seltener und schwieriger, erreicht werden können, wie es Autodidakten giebt, welche es zünftigen Gelehrten gleichthun und sogar sie übertreffen. Oder wie sollte man sonst den Ausspruch des den Tannaiten gleich geachteten R. Jochanan verstehen: ״Jeder, der den Götzendienst verleugnet, heisst Jude (Megilla 13a mit Bezug auf Daniel 3,12), oder den Tannaiten R. Josua, welcher schlechtweg den Frommen ailer Völker die ewige Seligkeit zuspricht (Synhedr. 105a)? Da nun nicht anzunehmen ist, dass Hillel dieser Anschauung, welche übrigens eine Norm der jüdischen Religion bildet (Maim, Hilch. Tesehuba III, 11), widersprochen habe, so wird der Ansicht Hilgenfeld’s, dass derselbe noch eine ,,Schranke4‘ der Menschenliebe habe bestehen lassen, welche erst Jesus hinweggeräumt habe, jede Berechtigung entzogen. Wir dürfen aber weiter gehen. Der angeblich beschränkte oder heschränkende Ausspruch HilleTs in Abot steht doch wohl in geistigem Connex mit dessen Begegniss mit dem Heiden, so zwar, dass jener Ausspruch seinen Standpunkt, der hier nur durch ein gegebenes historisches Factum exempMcirt wird, im Allgemeinen daxlegt, wie denn bereits Frankel von dem ,,Lapidarstyl14 der ״Sprüche der Väter‘4 gesprochen und gezeigt hat, dass dieselben mitunter den Niederschlag der Lehensschicksale, sowie die Charakteristik der Anschauungen und Bestrebungen der Männer, von welchen sie überliefert werden, ausdrücken, was ja auch durch die öfters gebrauchte