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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 4 · p. Seite 156

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 4
Article
Neutestamentliche Studien
Date
1893-01-01
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 Neutestamentliche Studien. das fiebrige ist ihre Erläuterung, gehe und lerne!“ Nicht genug also, dass der Heide nicht ausdrücklich sagt, er wolle ein Chaber werden, er deutet auch diese Absicht gar nicht einmal an. Aus seinem ganzen Auftreten geht aber hervor, dass er, wenn er diese Absicht gehabt hätte, nicht Anstand genommen haben würde, sie zu äiissern, so wenig der andere Heide, Y0n dem im Zusammenhänge mit dem erwähnten Vorgang berichtet ־wird, Anstand nahm, von Hillel ausdrücklich zu yerlangen, dass dieser ihn nach seinem Uebertritt zum Hohenpriester machen solle. Wenngleich nun allerdings zuzugeben ist, dass Jemand, der die ,,ganze Thora durchaus“ inne hat, auf den Chaher-Titel Anspruch machen kann, so ist doch diese Würde während einer Studienzeit, die nicht länger dauert, als man auf einem Ensse stehen kann, und mit der einzigen Kenntniss des Gebotes der Menschenliebe, mag dieses auch das ganze Judenthum nach Hillel in sich fassen, offenbar nicht zu erlangen. Mithin muss bei Erklärung der Stelle die Erlangung des Ghaber-Titels ganz aus dem Spiele bleiben, weder die Absicht des Heiden, noch die Hillel’s kann dahin gezielt haben, womit hinlänglich gezeigt ist, dass die Bernerkung Hilgenfeld’s: ״Der Heide will ja die Thora lernen, ein Chaber werden“ auf einer missYerständlichen Auffassung des Vorganges beruht und nur geeignet ist, letzteren zu entstellen.* 1) Phrase klingt nur Matth. 2% 40 durch (5X0$ 6 vojioc), Böm. 13, 8, 10 spricht nur Y0m ״Gesetz“, worauf sich immer schärfer der Gegensatz von Judenthum und Christentlium concentrierte. 1) Hilgenfeld irrt überhaupt, wenn er die Begriffe ,,die Thora lernen“ und ״ein Chaber werden wollen“ als identisch einander gleich״ stellt. Das ganze Chaherwesen (Chaberut) ist seiner Entstehung nach ziemlich dunkel, so viel ist aber sicher, dass der Gegensatz zwischen Chaber und Am-ha-arez ursprünglich nicht um Kenntniss oder Nichtkenntniss der Thora, sondern um Befolgung oder Nichtbefolgung der levitisehen Reinigkeitsgesetze, um Waschungen und Bäder, dann auch um die Verzehntang sich drehte (vgl. Tosefta Demai cap. 2). Das Wort und die׳ Sache geht auf das Essäerthum, also auf einen Kreis zurück, aus welchem das Cliristenthum. seinen Ursprung genommen hat. (Vgl. Grätz, Gesell, d. J., III, 92, 287). Erst innerhalb des Pharisäerthums spitzte sich immer mehr der Gegensatz von Chaber und Am-ha-arez auf den von Kenntniss und Unkenntniss der Thora zu, aber der Ursprungliehe Chaber war eigentlich selbst ein Am-ha-arez im späteren Yerstände dieses Wortes, und auf ihn und seinesgleichen geht die Seeligpreisung der nwr/01 ׳ccj) ׳^vso/aan (Math. 5, 3). welche nicht umsonst an der Spitze der Makarismen steht. Bios ״geistlich arm“ zu sein, kann doch unmöglich ein Verdienst begründen, aber die so Bezeichneten waren eben die essenisehen Ordensbrüder, welche mit ihrer geistlichen Armuth,

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