Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 3)
- Language
- German
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Neutesta,1ftentliche Studien. 155 schöpfen davon abhängig mache, dass diese sich zur Thora führen lassen. Aber zu dieser Auffassung bietet der Aus״ spruch, dessen letzter Satztheil ״führe sie (die Geschöpfe) der Thora zu“ mit den vorangehenden durch ein einfaches ,.und“ (ומקרבן לתורה), nicht durch eine conditionale Partikel verbunden ist, nicht die geringste Berechtigung. Hillel spricht durchaus nicht von einer bedingungsweisen Liebe. Andere Verweisungen auf Abot, die ich in meiner Abhandlung S. 35 in der Note gegeben habe, hätten Hilgenfeld über seine irrige Auffassung belehren können. So wird Abot VI, 1, gelehrt, dass man von demjenigen, welcher sich mit der Thora um ihrer selbst willen beschäftige, sagen könne, ״er liebe Gott, liebe die Geschöpfe, er erfreue Gott, erfreue die Geschöpfe“. Ferner heisst es das. 6, dass die Thora sowohl das Priesterthum wie das Königthum überrage, dass aber eine vcn den zahlreichen Vorbedingungen für ihre Aneignung darin bestehe, dass ״man Gott liebe und die Geschöpfe liebe“. Hier ist also die ״Liebe zu den Geschöpfen“ schlechthin, und zwar als eine von dem Israeliten lediglich um seiner selbst willen zu erstrebende Tugend hin gestellt־, diese erst beweist oder ermöglicht die Aneignung der Thora, aber davon, wie sich die ,,Geschöpfe“ zu der letzteren verhalten, ist gar nicht die Rede, ln demselben Sinne ist denn auch die Ermahnung HillePs ,,Liebe die Geschöpfe“ zu verstehen, was er aber mit der Aufforderung ,,und führe sie der Thora zu“ sagen will, darüber hat er selbst unzweideutig sich ausgesprochen, und zwar in seiner Unterredung mit dem Heiden. Wenn Hilgenfeld dazu a. a. 0. S. 881 Anm. 6 bemerkt: ״Der Heide will ja die Thora lernen, ein Cliaber werden“, so wird dadurch der Vorgang entstellt. Der Heide will Proselyt, Jude werden, er verlangt zuerst von Sammai, dass dieser ihn zum ,,Ger“ mache, mit der Bedingung, dass er ihm ״die ganze Thora durchaus“ staute pede in uno lehre. Von Sammai schroff abgewiesen, geht er zu Hillel und stellt an ihn dasselbe Ansuchen. Hillel geht darauf ein, er ״macht ihn zum Ger“, indem er ihm sagt: ״Was dir verhasst ist, das tliue einem Anderen nicht, das ist die ganze Thora durchaus1), J) Hilgenfeld sagt a. a. 0. S. 881. ״Ater ■bedeutungslos ist es doch nicht, dass Jesus Matth. 7, 12. 22, 40 zu der Thora, mit deren Nennung Hillel sich begiiügt, ausdrücklich hinzufügt die Propheten.“ Mit Verlaub 1 Unter כל התורה כולה versteht man nach dem rabb. Sprachgebrauch nicht bloss die Thora als solche, sondern תכ״ף und sogar die mündliche Lehre. Hillel's Weniger ist also mehr. l)ie ursprüngliche 11*