Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neutestamentliche Studien
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
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154 Neutestamentliche Studien. scheinlich von der Ansicht ausgegangen, dass ein Rabbiner gar kein Recht habe, über diesen Gegenstand mitzusprechen, wogegen ich glaube, dass ein solcher, weil er mit den jüdisehen Quellen näher vertraut sein muss, die unter den Christ־־ liehen. Theologen nur wenigen offen stehen, vorzugsweise dazu berufen ist. Die Art der Besprechung war eine verschiedene. "Wenn mir in LuthardVs ״Theologischem Literaturblatt“ (Ko. 50 v. J. 1890, S. 486, vgl. No. 47) bedeutet wurde: ״Die Verschiedenheit der Grundanschauungen macht, wie bereits in No 47 bemerkt, eine Verständigung unmöglich“ so ist darüber kein Wort weiter zu verlieren, wenngleich ich nicht einsehe, was die jüdische Literatur und die hebräische Grammatik, auf welche vornehmlich ich in meiner Schrift mich berufe, mit den ,,Grundanschauungen“ zu thun haben. Dagegen hat A. Hilgenfeld in der ,,Berliner Protestantischen Kirchenzeitung“ v. J. 1891, No. 38 sich sachlich, wie es von dem ausgezeichneten Forscher nicht anders zu erwarten war, mit mir auseinanderzusetzen gesucht. Zwar auch Hilgenfeld geht von der herkömmlichen Beurtheilung des Judenthums aus, die ihre Berechtigung weniger aus der Kenntniss des letzteren, als aus der christlichen Ueberzeugung herleitet, die aber doch, wie jeder Unbefangene zugeben wird, den Mangel einer genauen Kenntniss des Judenthums keineswegs ersetzen kann. Jedenfalls bin ich Hilgenfeld dafür dankbar, dass er mir Gelegenheit gegeben, die Untersuchung über den Gegenstand noch einmal aufzunehmen und zu erweitern. Indem ich dieser Aufgabe in der vorliegenden Abhandlung mich unterziehe, glaube ich damit einen nicht blos für die Kenntniss des Judenthums, sondern auch für die Erforschung des NT nicht ganz werthlosen Beitrag zu liefern. Ich habe in meiner Schrift auf den Wahlspruch Hillel’s verwiesen (Abot I, 12) ״Sei von den Söhnen Aron’s, liebe Frieden, trachte nach Frieden, liebe die Geschöpfe und führe sie der Thora zu.“ Dazu bemerkt Hilgenfeld (a. a. 0. S. 882): ״Wer wollte solche Anerkennung der Menschen als Geschöpfe Gottes nicht liochschätzen? Aber die allgemeine Menschenliebe hat bei Hillei doch noch eine Schranke. Die Menschen, welche man als solche zu schätzen hat, soll man der Thora Zufuhren. Dass die Liebe auch dann bleiben soll, wenn die Menschen sich nicht zu der Thora führen lassen wollen, vollends, wenn sie solche Führung verhindern, wird von Hillei mindestens nicht gesagt.“ Hiermit wird der Spruch HilleTs in dem Sinne ausgelegt, als ob derselbe die Liebe zu den Ge־־