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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 97

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 2
Article
Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
Date
1892-01-01
Page
Seite 97 (sequence 6)
Language
German
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Emancipations-Bestrebungen in Breslau. 97 zu wirklicher Bildung־ und Aufklärung fehlte es natürlich vollständig. Oeffentliche Schulen für die Juden gab es gar nicht; das Elisabeth-Gymnasium allein wurde von einigen jüdischen Schülern, wohl Kindern von Geiieralprivilegierten, in seinen oberen Klassen besucht, und es wird als ein besonders lobenswertes Beispiel der Duldung angeführt, dass man dies gestattete.i) Um so zahlreicher blühten die sogenannten Winkelschulen, in denen polnische Lehrer ohne Zucht und Methode im Talmud und in der Bibel unterrichteten lind durch ihr Beispiel und Auftreten mehr verdarben als erzogen* 2). In den Personalverzeichnissen der Gemeinde figuriert regelmässig eine Anzahl solcher öffentlicher oder privater ,,Schulmeister.u Die Kenntnis der deutschen Sprache und Schrift war eine höchst mangelhafte; die Gemeinde - Akten werden selbstverständlich in hebräischer Schrift und im Jargon geführt:, und 2nan kann schon daraus, ob jemand seinen Namen ordentlich deutsch schreiben konnte oder nicht, meistens auf das Mass von Bildung und Aufklärung schliessen, das er besass. Wozu brauchte der Breslauer Jude auch dergleichen? Das einzige, was er trieb, war der Handel, meistens nach Polen, und selbst darin suchten die christlichen Kaufleute ihm alle möglichen Hin dernisse in den Wegzu legen. Denn diese hatten eine Art Aufsichtsrecht über die handeltreibenden Juden, und zwei Mitglieder der Kaufmannsgilde gehörten immer der Juclen-Kommission an, welche die Specialpolizeibehörde der Juden Schaft bildete. 3) Wir sehen, es gab thatsächlich genug zu bessern, und masslosen Schimpfereien, besonders gegen die Talmudisten, wurden bereits in der Litterar. Chronik v. Schlesien 1790 gebührend gewürdigt. Der bei Geiger, Zeitschrift für Gesch. d. J. in Deutschland III, 202, erwähnte Aufsatz in den Berlinischen Merkwürdigkeiten mag wohl ebenfalls von ihm herrühren. 1) Pr.-Bl. 1786. צ) Vergl. Geiger, I, 75; II, 126. Eine ergötzliche Schilderung ihres Treibens giebt Saul Berlin in seipem כתב יושר, vgl. Brann, 257. 3) Zimmermann, Geschichte und Verfassung der Juden im Herzogthuin Schlesien, S. 36 f. Die Namen der Mitglieder der Juden-Kommission finden sich in den ,,Schlesischen Instantien-Notizen.“

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