Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 5)
- Language
- German
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96 Emancipations-Bestrebungen in Breslau. war unzweifelhaft der königliche Hofagent Lipmann Meyer,1) der in seiner Heimat Bjerlin in engster Freundschaft mit David Friedländer und dessen Genossen gelebt und so direkt aus der Quelle der Aufklärung und der Beformideen geschöpft hatte. Der grösste Theil der Gemeinde jedoch bestand aus ungebildeten polnischen Handelsjuden, die alles, was nicht unmittelbar zu der überlieferten Religion in Beziehung stand, ängstlich von sich fern hielten und jeden, der nicht genau so streng wie sie an allen überkommenen äusseren Formen festhielt, — und ihnen galt der lange polnische Rock natürlieh für ebenso unverletzlich wie die ausdrücklichen Gebote der heiligen Schrift — schon für einen Apostaten hielten: eine Anschauung, die durch die Thatsache begreiflich wird, dass damals wirklich die meisten Aufgeklärten sich von der praktischen Ausübung der väterlichen Religion mehr oder minder vollständig abzuwenden pflegten. Es war darum auch nicht anders zu erwarten, als dass im Jahre 1787 Mendelssohn und. seine Schriften am Heujahrstage feierlichst in der Synagoge der Krotoschiner Juden von dem Unterrabbiner Jehuda Loebusch ben Mordecbai mit dem Bann belegt wurden2). Und das Beispiel des durch seinen Freisinn und sein ausgezeichnetes Schachspiel bekannten, von allen Freunden des Hergebrachten aber bestgehassten Moses Hirschei, der mit seinen übertriebenen Klagen nnd Tor würfen alle Blätter füllte, zeigt, wie man mit allen Mitteln Freigeisterei, Aufklärung und Irreligiosität fern, zu halten, ja zu unterdrücken suchte.3 * *) An Gelegenheit *) Lipmann Meyer (אלעזר ליפמן ב״ר מאיר מבדלין), ca. 1726 geboren, 1814 gestorben; sein Leichenstein auf dem alten jüd. Friedhofe in Breslau hat Nr. 2953. Er stammte aus Berlin und war G-eneralprivilegierter. Auch seine Frau Blümchen hatte ein eigenes Generalprivilegium. V Moses Hirschei, jüd. Intoleranz und Fanatismus in Breslau, enthalten in: ״Wahrheit und Freimütliigkeit in schwesterlicher Umarmung“, herausgeg. von Kausch, Nürnberg 1789. 3) Ueber ihn Schummel, Breslauer Almanach. Ausser dem eben genannten Aufsatze schrieb er ein Sehachspielerbucli, mehrere Arbeiten in den von Kausch herausgegeb. ״Freimüthigen Unterhaltungen6״, sowie den ,,Kampf der jüd. Hierarchie mit der Vernunft, Breslau, 1788.״* Seine