Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Testament Mardochai Meysels
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829640-2829643-2877263--24644-2877303- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Das Testament Mardochai Meysels. 87 deren es nach der Vertreibung derselben aus Wien in Prag wohl viele gab, hiermit beauftragt wurden.1) Zur Agnoscirung der Handschrift des ,,geschworenen Gemeindeschreibers“ Kaufmann Levy und des ,,Schulklöppers“ Moses Henochs mussten allerdings Prager Juden zugezogen werden. Das Testament selbst ist nicht nur wegen seines materiellen Inhaltes, sondern auch wegen der darin vorkommenden Personen, und wegen seiner Form von grossem geschichtlichem und culturgeschichtliehem Interesse, und verdient darum eine eingehende Betrachtung, Von den Personen, vor welchen dasselbe rechtsgiltig nach talmudischer Vorschrift angefertigt wurde, steht der hohe Rabbi Löb, der berühmte Prager Oberrabbiner, in erster Reihe. Er ist es, der trotz seines hohen Alters (er starb am 22. August 1609 in seinem 98. Lebensjahre) persönlich den gewiss viele Stunden in Anspruch nehmenden Gerichtsact aufnimmt. Die sorgfältige Ausarbeitung lässt voraussetzen, dass sich Meisel mit dem ihm eng befreundeten Oberrabbiner schon früher eingehend berathen hatte. Die< Biographie des hohen R. Löb ist wiederholt seit Meier Perls (Megillath Juchasin) geschrieben worden. Guttmann Klemperer, der die Tradition des Prager Rabbinates und Jeschibawesens noch lebendig aus seiner Jugend in sich trug, hat das Leben R. Löb’s in Jacob Pascheies Kalender (welchem das Verdienst, die Geschichte der Prager Judenstadt bis auf den heutigen Tag zu pflegen, ungeschmälert zuerkannt werden muss) mit viel Liebe und Gelehrsamkeit geschildert. In den letzten Jahren hat auch Dr. N. Grün ein Lebensbild des hohen Rabbi Löb veröffentlicht2), in welchem manche interessante neue Details auf Grund minutiöser Beweisführung erhärtet wurden. Doch hat keiner der Biographen R. Lobs sein Verhältniss zu Mordechai Meisel der nöthigen Nachforschungen und Studien gewürdigt. Mir scheint es unzweifelhaft, dass die huinani- 9 Ygl. Kaufmann, Die letzte Yertreibung der Juden aus Wien und Niederösfcerreich, Budapest 1889. 2) Prag, Jakob B. Brandeis.