Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Testament Mardochai Meysels
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 3)
- Language
- German
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84 Das Testament Mardochai Meysels. Markus Meisel, dass die von der Gemeinde jahrelang unrechtmässig bezogenenEinkünfte, welche von der Meiseisynagoge allein 800 Fl. jährlich ausmachten, executive von den Judenältesten eiligetrieben würden, wurde zwar stattg*egeben, ferner durch Decret vom 18. September 1673 verordnet, die Befriedigung dieser An- Sprüche durch Arretirung der Judenältesten executive zu erzwingen, aber schliesslich dieser auch realisirte Arrest dahin abgeändert, dass die Prager Judengemeinde verbindlich gemacht wurde, auf Abschlag der zugesprochenen Ent- Schädigung wöchentlich 20 FL zu erlegen. Auch wurde zugleich die Weisung gegeben, die Zinsen des Bades und die Einkünfte der Synagoge zu erforschen; diese Einkünfte aber seien ad depositum zu übernehmen zum Besten desjenigen, den! es künftig zuerkannt werden würde. Denn nun trat im Gegensätze zu den thatsächlichen Verliältnissen, da die Urenkel der ersten Richter bereits über die Angelegenheit zu Gerichte sassen und da man vergessen hatte, dass die schmalen Reste, die den Erben zugetheilt worden, aus kaiserlicher Gnade denselben zugeflossen waren, der Fiscus selbst als Oompetent um die anwachsenden Gelder auf, welche aus den Einkünften der Meisel Synagoge, dem Meiselbade und den Entschädigungsraten der Judengemeinde im Depositenamte lagen. Ueber diese Wendung des Processes, welche bei dem damaligen Stande der Justiz kaum einen Zweifel über den endlichen Ausgang liess, entstand in der Judengemeinde eine derartige Aufregung und Erbitterung, dass die Meisel’schen Erben in den Jahren 1674—78 die ärgerlichsten Yerfolgungen und Misshandlungen erleiden mussten. So wurden Markus Meisel und Aron Radisky in der Synagoge und in der Wohnung misshandelt, und mehrere ״Winkelsynagogen“ fanden Unterstützung zum Uachtheile des Einkommens der Meiseischule. Als Markus Meisel 1674 starb, verweigerte man ihm ein ehrliches Begräbniss nicht ohne Gefahr für den Gesundheitszustand der Judenstadt. Als man schliesslich die Beerdigung