Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Einige Beispiele von ausgesucht tückischem Bekehrungseifer im byzantinischen Reiche
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 554 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2829132-2829626-2829639-2877201--24537-2877244- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
554 Einige Beispiele von ausgesucht tückischem Bekehrungseiser Verbot nnd die Umgehung desselben auf Palästina Hinweisen. In Babylonien hatte da§ Christenthum kein« weltliche Macht. Außerhalb Palästina's in der Christenheit gab es keine Autorität, welche hätte vorschreiben dürfen, daß auch nach dem Aufhören der Chikane eine Erinnerung daran in dem Ritus bleiben sollte. An Palästina muß man um so eher denken, als es nur dort hebräisch-kundige Apostaten gegeben haben kann, welche sich zu Aufpassern beim Gebet hergegeben haben. Noch eine dritte ausgesuchte Chikane von einer christlichen Behörde in der nachtalmudischen Zeit gegen die gottesdienstliche Gepflogenheit der Juden wird bezeugt. Es wurde verboten, an den Sabbaten Nachmittags zu den Pentateuch-Perikopen die Troststücke aus den Propheten Jesaia zu lesen. Dieses bezeugt ein Responsum von Natronai Gaon (enthalten in der Responsen-Sammlung חמרה גנוזה ed. Jerusalem 1863 von Wolfensohn und Schneorsohn, Resp. Nr. 95): 1וששאלו מה הן מפטירץ ברוחה הראשונים כשהיו קורין במנחה בעבה. היו מפטירין בספר ישעיה הנביא וכולן בגהמווו שבו ולאהיו מוסיפין על עשרה פסוקים. ובשני פרסיים נזרו שמרא שלא להפטיר וכיון שנסתלקו נכחלקו (Dieses Responsum war auch Raichi bekannt, Sabbat 24 a). Auch dieser Eingriff in die religiöse Selbstständigkeit, das Vorlesen Jesaianischer Trostverse am Nachmittagsgottesdienst am Sabbat zu verbieten, kann nur in der n a ch t a l m u d i s ch e n Zeit gemacht worden sein, sonst wäre im Talmud etwas davon erwähnt. Es kann auch nicht in Babylonien stattgefunden haben, etwa in dem saburäischen Jahrhunderte zwischen 500 (Schlußredaktion des babylonischen Talmud) und 632 (Eroberung BabylonienS durch die Araber). Denn dann hatte das Seder Tanaim w' Amoraim oder doch Scherira in seiner historischen Epistel es anmerken müssen. Er kann wiederum nur vom byzantinischen Hofe ausgegangen sein. Vom Ausdruck בשני