Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der Ritus mit den Weidenzweigen am Hüttenfeste, sein Alter und seine Bedeutung
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 516 (sequence 8)
- Language
- German
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516 sein Alter und seine Bedeutung. Es ist also dabet immer nur die Rede vom A u f r i ch t e n, יהוחנן) בן ברוקח אומר חרמת של דקל ד.יו סביאין ורוובטין אות ן I) ר׳יה<*שע בקרקע בערי המובח ואותו היום נקרא חבום ח דיות. Unmöglich kann der Sinn sein, daß R. Jochanan b. B. tradirt hätte, es seien nicht Weidenzweige, sondern trockene Palmenzweige für diesen Ritus verwendet worden, wie es die Tosafisten auffassen (S. p. 45 b 8. V. אחת ללולב ואחת למובח) wo es heißt: לא יתכן כלל לפרש דדי יוחנן ב״ב לא פליג אלא בשביעי אלא אכולהו נמי פליג .דסבר חרמת של דקל היו מביאין כל שבעה ולא ערבה, Ich sage, diese Auslegung ist unmöglich. Denn durchweg heißt es מעות ערבה und שביעי של ערבה, und nun soll ein Tanai toto coelo davon differirend angenommen haben, Palmenzweige seien dazu gebraucht worden! Und nun gar die Benennung: der Weiden- Lag soll PalmenLag genannt worden sein! Das hieße diesen Ritus auf den Kopf stellen. Es hat aber damit ein anderes Bewandtniß. Die Angabe R. Jochanans b. B. steht nicht in Opposition mit der allgemein angenommenen Voraussetzung vom Gebrauch der Weiden für diesen Ritus, sondern er r e f e r i r t lediglich, was an demselben Tag vorgekommen i st. Nämlich an dem Tage, an welchem die Boethusäer die Schmückung des Altars haben hindern wollen, und sie doch — ihnen zum Trotze —־ angebracht wurde, - haben sie (man weiß nicht wer) trockene Palmenzweige gebracht, sie an der Seite des Altars an den Boden geschlagen. Und dieser in Erinnerung gebliebene Tag wurde seitdem ״Tag des Anschlages der trockenen Palmenzweige7' genannt. In der Misch na fehlt der lange Passus von dem Streich der Boethusäer und dem Gegenstreich des Volkes, und von diesem Paffus ist nun die nachträgliche Erzählung von חבוט חרמת geblieben. Sie bestimmt nicht den Ritus, sondern tradirt die oppositionelle Demonstration an dem Tage, das bedeutet: ואותו היום נקרא. Man kann vielleicht den Vorgang historisch bestimmen. Die Boethusäer haben die für den Ritus Ln dem Vorhof niedergelegten Weidenzwerge vermittelst Steine verdeckt. Sie müssen demnach freien Zutritt zum Vorhofe des Tempels gehabt haben. Sie müssen diesen Zutritt ausschließlich gehabt hahen; denn wenn pharisäische Priester zur selben Zeit in demselben Raum gewesen wären, hätten sie doch den Streich verhindern können oder wenigstens Kunde davon haben müssen. Die Erzählung giebt aber an, daß das Volk erst am betreffenden Tage den Streich bemerkt habe, sonst wußte Niemand außer den Thätem davon. Es muß also zu einer Zeit geschehen sein, als die Boethusäer oder Sadducäer im alleinigen Besitz des Tempels waren. Nun kam dergleicheu in der nachmakkabäischen Zeit nur einmal vor, als A n 6 n v s, Sohn Ananos, zum hohen Priester ernannt war (um 60 post). Dieser hat mit herausfordernder Kühnheit das Sadducäerthum zur Geltung gebracht und eben dadurch den Unwillen der Gegenpartei so sehr rege gemacht, daß sie auf seine Absetzung drang und