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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1887-01-01 · Heft 9 · p. Seite 394

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
36 (1887)
Issue
Heft 9
Article
Abfassungszeit und Bedeutung des Buches Baruch
Date
1887-01-01
Page
Seite 394 (sequence 10)
Language
German
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394 Ilbfasiungszeit und Bedeutung des Buche- Baruch. und auf dem Altar dargebracht werden sollten (1,6—10). Fernet ist angegeben, der Brief Baruchs soll im Hause Gottes an den Festtagen vorgelesen werden (1,14). Zwar ist im Eingang angegeben, die Chaldäer hätten Jerusalem erobert und in Feuer verbrannt. Aber wenn der Autor sich nicht einen gedankenlosen Widerspruch hat zu Schulden kommen lassen wollen, so kann er nur gemeint haben, die Stadt sei zerstört worden, aber der Tempel sei stehen geblieben. Vorausgesetzt wird allerdings in allen Theilen dieses Briefes, daß Gefangene Jerusalems in ein fremde» Land ins Exil geführt worden sind. Allein es fehlt auch nicht an Andeutungen, daß noch Einwohner in Jerusalem zurückge. blieben seien (4, 24): ״So wie die Bewohner Zions jetzt eure Gefangenschaft gesehen haben, so werden sie bald eure Errettung von Gott sehen". Daher wird die Lage der Art geschildert, daß der König Jojachin mit vielem Volke in die Gefangenschast ge' führt worden ist,H aber ein Ueberrest ist noch zurückgeblieben- (1,9 f.). Der Hintergrund der Darstellung sst demnach, daß eine theilweiseExportation ausJerusalem stattgefunden hat, und daß Jerusalem wegen dieser ihrer theilweisen Verödung in Trauer gehüllt ist. Von wem ist diese theilweise Exportation ausgegan. gen? Ein siegreiches und schonungsloses Volk ist andeutung»- weise geschildert: ״Gott hat über sie ein Volk von Ferne geführt, ein freches und fremdsprachliches Volk, das keine Scheu vor dem Alter und kein Mitleid mit der Jugend hatte (4. 15: ävaides xai uXXoyXmaaov). Diese Schilderung ist allerdings entnommen aus Deuteron. 28, 49—50. Sie paßt aber nicht auf die Chaldäer, da die Sprache dieses Volkes den Jsraeliten zur Zeit der Gefangenschaft durch Nebuchadnezar nicht fremd war. Es muß also ein anderes Volk damit gemeint sein, das aus der Ferne herangezogen war und eine den Exportirten unverständliche Sprache gesprochen hat. Diese Schilderung dentet entschieden t h at sächliche Vorkommnisse an.

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