Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Abfassungszeit und Bedeutung des Buches Baruch
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 386 (sequence 2)
- Language
- German
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886 Abfassungszeit und Bedeutung des Buches Baruch. ursprünglich verfaßt ist, in dent es uns die Kirche überliefert hat, oder ob es die Ueberfetzung eines hebräischen Originals ist. Diese drei Fragen nach Tendenz, Abfassungszeit und Grundsprache haben die Jsagogisten und Cvmmentatoren, welche die Apo« kryphen behandelt haben, selbstverständlich beschäftigt, und man kann nicht behaupten, daß sie sie glücklich gelöst haben. Selbst Fritzsche und Grimm, welche die Auslegung der Apokryphen in jüngster Zeit zu ihrer Domäne gemacht haben, sind keineswegs bezüglich Derer, welche einen altbiblischen Charakter haben, zu einem allseitig befriedigenden Resultate gelangt. Zum richtigen Verständniß solcher Apokryphen zweideutigen Sprachcharakters gehört nämlich die Beherrschung nicht bloß des biblischen Hebräisch, sondern ganz besonders desjenigen Idioms, welches man das Neu hebräische nennt, d. h. eines Gemisches von hebräischen und aramäischen Elementen. Es gehört noch dazu Kenntniß der Anschauungen und Stimmungen, welche in der nachbiblischen Zeit in der Judenheit rege waren, und endlich ist Vorurtheilslosigkeit erforderlich, nicht dabei auf das neue Testament den Blick zu richten, ob nicht eine messianische Andeu« tung in einem Apokryphon eine Bestätigung bietet. Diese nothwendigen Erfordernisse fehlten mehr oder weniger denen, welche sich mit der Erforschung der Apokryphen befaßt haben, und aus diesem Grunde hat diese Forschung nur geringe Fortschritte gemacht. So wie das Buch Tobit und das Buch Susanna in Folge der Nichtbeachtung dieser Erfordernisse unrichtig beurtheilt worden sind, so auch das Buch B a r u ch. Die Einen setzen es zum Theil wenigstens in die persische Zeit, die Andern mehr als 400 Jahre später, nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer. Eine Reihe von Forschern hält die Grundsprache desselben für Hebräisch, und eine andere für Griechisch. Andere wieder schwanken hin und her. Die Frage nach der Tendenz ist nur oberflächlich in Betracht gezogen worden. Diese tastende Un-