Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Parallelen aus der jüdischen Geschichte
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 339 (sequence 3)
- Language
- German
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Parallelen aus der jüdischen Geschichte. 339 Vorgänge bei Jesu Kreuzestod, dann steht der Glaube unerschütterlich fest. Ahasver sollte die Nebel des Zweifels zerstreuen und das Christentynm retten. Ein buchhändlerischer Specculant in Basel bemächtigte sich des Märchens und verbreitete es in Buchform 1602 in allen deutschen Ländern. Durch Uebersetznngen und Ueberarbeitungen machte es die Runde in ganz Europa- Das ist der Ursprung der Sage vom mandernden Ahasverus oder wie er sonst noch genannt wurde. Während in Deutschland der ewige Jude von Anfang an als Kreatur dargestellt wurde nach dem Urbilds, welches die gedrückte und verkümmerte Gestalt der deutschen Jude!: an die Hand gab, entwarf ein geistvoller Manu ein ganz anderes und treffenderes Bild von ihm. Ein Lürkffcher Spion, der angeblich beauftragt war, über die politischen Vorgänge in Europa unter Ludwig XIV. Bericht zu erstatten, will ihn ebenfalls leibhaftig gesehen und mit ihm Unterredung gepstogen haben. Dieser angebliche Spion schildert den ewigen Juden mit ganz andern Farben als der plumpe deutsche Anonymus. Er erschien ihm mit einem vornehmen Wesen und als ein erfahrungsreicher Mann, dem tausend Jahre wie der gestrige Tag vorgekommen. Man könnte ihn den jüngern Bruder der Zeit nennen, sagte er. Dieser ewige Jude verstand alle Sprachen, kannte alle christlichen und mohammeda- Nischen Dynastien, ihr Entstehen und ihr Vergehen, ihre Thorheiten und ihr eitles Beginnen. Von einem hohen Berge aus Laufs genommen habe. Sie nennt ihn Josephus Kartrphilos. Dieses erklärt L. Neubaur (die Sage vom ewigen Juden S. 9 f.) als Kaqxa (ptlog ״sehr befreundet", und als Anspielung auf Johannes den Lieblingsapostel, von dem eine ältere Sage cireulirte, daß er bis Jesu Wiedererscheinen am Leben bleiben und ein Wanderleben führen würde. Allen übrigen Überarbeitungen dieser Sage liegt die deutsche Grundschrift zu Grunde, welche auf Paulus von Eitzen zurückgeführt wird, auch in französischer und andern Sprachen. Neubaur a. a. O. S. 33 fg. 22*