Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Mendelssohniana
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 6)
- Language
- German
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m Notiz. und der Messias zögert noch zu kommen! Und wenn Du nun gar die Kinder unbedeckten Hauptes einherspringe» und schlüpf, rige christliche Tänze tanzen sähest oder hörtest, wie sie unzüchtige Gesäuge ans ihren sogenannte» moralischen Büchern singen! Wie ihre Sitten, so ist auch ihre Kleidung verändert. Weder Du noch ich können an der Tracht einen Juden von einem Christen unterscheiden. Zöpfe und Haarbeutel und rote Röcke mit goldenen Knöpfen tragen heut auch die Inden und schämen sich dieses Gräuels nicht. Wer von ihnen selbst von den U». verheirateten trüge noch einen Barl? Juden geben jetzt Freudenmahle, ohne jüdische Gelehrten oder Priester dazu einzuladen, hören dabei christliche Musik an, ja sie sitzen an einem Tisch mit Christen und trinken die Gesundheit ihrer Weiber und Töchter. Erschrick nicht, wenn ich Dir sage, daß die Weiber nicht mehr an einem besonderen Tische, sondern mitten unter den Männern sitzen. Der heilige Titel eines Rabbi gilt nichts mehr, sondern man strebt na h christlichen Titeln. Du kannst jüdische Com merzienräte sehen, ebenso wie jüdische Hofräte. Kriegsräte, Hofcommissarc u. s. w.! Ja diese Leute erfrechen sich noch mit ihren Titeln zu prahlen! Jüdische Musiker, Maler, Advokaten, Medailleurs — was für ein Unding! Hat der Schöpfer deshalb unserem Leib den Lebeusodem eingebaucht, damit wir Gemälde und Medaillen anfertigen, oder gar christliche Ohren mit lieblicheu Gesängen kitzeln sollen? Gewiß nicht! Der Dunst des Herrn ist der Zweck, zu welchem wir erschaffen sind, und wer diesen Zweck einen Augenblick vergißt, der lebt dem Willen des Schöpfers entgegen. Unsere Talniudisten erlauben uns nur die Beschäftigung mit irdischen Dingen insoweit, daß wir nur dürftig leben können, damit dadurch der Zweck unseres irdischen Daseins, der Dienst Gottes, erreicht werde. Es wird Dich nicht Wunder nehmen, wenn hei so Verderb-