Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Mendelssohniana
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 7)
- Language
- German
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335 Notiz. ter Gesinnung und so ketzerischen Sitten unser Ansehen zugleich mit unserer Macht gefallen ist. Die Abtrünnigen erdreisten sich, Parallelen zwischen uns und den christlichen Pfaffen zu ziehen; sie erkühnen sich, uns alle die Laster aufzubürden, welche jene sich haben zu Schulden kommen lassen; sie sprechen von Kastengeist, Habgier, Versolgungssucht, Priesterflolz u s. w. Mit welchen Rechten kann man es Kastengeist nennen, wenn wir einen Gelehrten unseres Gleichen, der in die heiligen Geheimnisse der Bundeslade eingeweiht ist, einen! profanen bei jeder Gelegenheit vorziehen? Und wer ist freier von Habsucht als wir? Der am besten Besoldete unter uns dürste es schwerlich aus mehr als ein paar tausend Thaler bringen; denn die kleinen Nebeneinnahmen von jeder Heirat, jeder Eheschließung und den Sporteln, die uns von Gottes- und Rechtswegen für unsere Rechtsprechung gebühreu, will ich nicht erst rechnen. Wie wenig macht außerdem das aus, was wir für die Eheschließungen erhalten! In der Bibel sind 1!ur zehn von Hundert von dem eingebrachten Heiratsgute beider Eheleute ansgesetzt, aber das verderbte Zeitalter ist bos' Haft genug, einen Theil dieses Zehnteils ihren eigenen Verwandten zuzustellen und uns darum zu betrügen, oder in noch boshasterer Weise, uns eine kleinere Summe vorzuspiegeln. Dasselbe gitt von den Ehescheidungen, und bei der Rechtsprechung fallen uns nur ein paar kleine Procente zu. Boshafte Thoren sind es ferner, die unfern heiligen Eifer Versolgungsgeisi nennen, wenn wir uns jeder Gefahr aussetzen, keine Mühe scheuen und keinen Weg unversucht lassen, um die Verirrten und Abtrünnigen rnit Güte, E uralt oder List wieder zu unserm Herrn zurückznführen. Unserem Glauben wurde ein tödtlicher Streich versetzt, als es jene Ketzer dahin brachten, daß uns die Macht Recht zu sprechen, sowie die Befugniß, den weltlichen Arm der christlichen