Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Mendelssohniana
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 5)
- Language
- German
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zu buchstabieren und meinen Namen schreiben zu können — aber ich blieb ein Jude. Die Meudelssohn'sche Secte erzieht ihre Kinder nicht, wie ich und meine Vorfahren erzogen wurden. Sie behauptet, es sei genug, so viel hebräisch zu lernen, als unumgänglich nöthig ist, um die heilige Schrift lesen zu können; um das Studium des Talmud und seiner zahlreichen Erklärer kümmern sie sich nicht. O Zeiten! O Sitten! Wie Du leicht erraten kannst, wird auch nur ein kleiner Teil des Tages zur Erlernung der heiligen Sprache verwendet, denn das wenige, was diese Leute wissen wollen, läßt sich ja allerdings schnell genug erlernen. Statt dessen werden die zarten Kinder wohl sechs bis acht Stunden täglich von christlichen Lehrern gequält; da kommt einer, der lehrt sie die christliche Schrift lesen und schreiben, ein anderer lehrt sie eine Sprache, welche Christen in andern Ländern sprechen. Ja, diejenigen, welche ihren Kindern eine nach ihrer Meinung ganz besonders Erziehung geben lassen wollen, lassen sie lächerlicher Weise sogar die Kunst lernen, nach Regeln richtig zu denken. Noch schöner ist es, daß sie nach Anleitung eines großen be« malten Stückes Papier die Länder und Dörfer der ganzen Welt auswendig herbeten. Denke nur, einst fragte ich einen dieser hochweisen Lehrer, der die Kinder gerade in dieser schnöden Kunst unterrichtete, wo sich denn die verlorenen Stämme Israels befänden. Da hättest Du sehen sollen, was das Männchen für Augen machte, und wie er mich anschaute! Heil Dir in dem dreimal gesegneten Polen, wo noch die reine Lehre Gottes herrscht. Was würdest Du aber erst sagen, wenn Du Buben und Mädchen traulich mit einander reden hörtest, und Jünglinge mit Jungfrauen, die nicht ihre Weiber sind, allein in einem Zimmer stshen, ja, o Sünde! einander mit bloßen Händen be« rühren sähest l Solche Verbrechen werden in Israel begangen