Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Lehrinhalt der "Weisheit" in dem biblischen Schriftthum
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 291 (sequence 3)
- Language
- German
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Lehrinhalt der ״Weisheit'' in dem biblischen Schriftthum. SSI Bei richtigem Verständniß erschließt sich die künstlerische Bedeut samkeit dieses philosophischen Poems auch im Einzelnen und scheinbar Geringfügigen. Auch die Zeitfrage hat Cheyne nicht mit voller Entschiedenheit fixirt. Jn> Allgemeinen neigt er sich der Annahme zu, daß Hiob während des babylonischen Exils entstanden ist, aber er behauptet, daß man nicht dazu logisch geuöthigt märe (p. 73). Allein abgesehen von den inneren Momenten, daß es nur in einer Zeit entstanden sein kann, wo ein Gewoge verschiedener und widersprechender röligiöser Ansichten entstanden sein kann: auf der einen Seite felsenfeste Gläubigkeit und Vertrauen auf Erlösung, auf Rückkehr aus dein Exile und auf Gottes Gnadenmaltung, auf der andern Seite völliger Unglaube, der in den exilischen Psalmen wiedergespie» gelt wird: אמר נבל בלבו אין אלהים und איכה ירע אל דש דעה בעליון, und in der Mitte schwankende Zweifler beim Anblick der Leiden gerade der Treuen und Frommen und des Glückes der Gott imb Jerusalem Vergessenden!שכחי אל mit) השבחים את הר קדשי), der Zweifler, deren Gemüthsunruhe der Eingang von Ps. 73 drastisch schildert — abgesehen also von den innern Momenten, so sprechen doch äußere hinlänglich für die exilische Ab» fassuugszeit. Die Voraussetzung vom Vorhandensein persönlicher Engel») (auch רושים? genannt) innerhalb der Dialoge, das Austauchen der Auferstehungshoffnunq, die Anspielung ans Cyrus' Siege (o. S. 252) weisen doch entschieden auf die Exilszeit. Mag nun der Prolog ein integrirender >) Die Bekanntschaft mit dem Parsismus, also auch mit dem A m escha - Spentas in der Umgebung von Ahura-Mazda, welche die Grundlage für die jndäische Angolologie bildet, war den Judäern schon wahrend des babylonischen Exils bekannt. Deuters- Jesaia kennt schon gründlich den persischen Dualismus, und der nachexilische Prophet Zacharia, der noch während des Exils geboren war, kennt schon persönliche Engel und ihre Siebenzahl. Da Medien und Babylonien unter Nebuchadnezar und Kyaxares' Nachfolger verbündet waren, so konnten persische Anschauungen in Babylonien eindringen. IS*