Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Lehrinhalt der "Weisheit" in dem biblischen Schriftthum
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
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Lehrinhalk der ״Weisheit" in dem biblischen Echristthum. SiS welcher die griechische Bibel nicht als echte Tochter der hebräi, scheu anerkennen kann, sondern nur als ein Kind des palästinenfischen Essenismus einerseits und der hellenistischen Theosophie andrerseits, doch eine Strecke mit ihm gehen bis zu einem Punkte, wo die Wege sich scheiden. Es ist aber meines Dasürhaltens noch zu frühe, das Ge« sammtresultat über die Erzeugniffe der hebräischen Chokhma zu« sammenzufassen. So lange die Textkritik noch nicht ihr letztes Wort gesprochen hat, scheint es gewagt, auf Grund einiger verstündlichen Partien mit Uebergehung der vielen Dunkelheiten eine Art System der alttestamentlichen aoyia zu construiren. Kohelet z. B. bedarf noch gar sehr der Textverbesserung, ehe der Gedankengang dieses eigenthümlichen Buches vollständig übersehen werden kann. Es muß zunächst sorgfältig untersucht werden, ob der Vers, ein Sadducäer oder ein gemäßigter Pharisäer war, ob er gegen die Uebertreibungen des Pharisäismus und des Essenismus polemistrt — denn der polemische Charakter des. selben ist nicht zu verkennen —und welcher Zeitepoche der nachexilisch-jndischen Geschichte er angehört. Denn daß der König Salomo Verf. gewesen sei, wagt heute kaum ein starkorthodoxer Bibelausleger zu behaupten. Wie will man nun den Hintergrund von Kohelet erkennen, wenn man auf Schritt und Tritt auf Textesunbegreiflichkeiten stößt? Dasselbe ist der Fall beim Buche Hiob, das — mag die exegetische Anatomie es noch so ^ehr zerstückeln, doch ein einheitliches Ganze bildet, wie Kohelet — nach der textkritischen Seite noch wenig Fortschritte gemacht hat. R e n a n ' s Uebersetzung hat sich um diese Kleinigkeit wenig gekümmert, sondern hat es rundweg in französisch geglättetem Style wiedergegeben, wie etwa eine altenglische Romanze. H itz i g , der jüngste Interpret des Hiob meines Wissens in Deutschland, hat nicht einmal die glücklichen Emendationen benutzt, welche M er x mit sorgfältiger Benutzung der alten Versionen angebracht IS*