Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension] / R.
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Äecetisirmen. 22t Ja, Nacht war es in Berlin, so lange FriedländerS Sterne leuchteten. Ein Abfall ohne Beispiel bezeichnet die Spuren seineS Wirkens. Wen will Teiger täuschen, wenn er, um Friedländer in ein recht schönes Licht zu rücken, einen Brief citirt, den Wilhelm v. Humboldt nach bem Tode F's. an dessen Sohn gerichtet hat? Ein Kondolenzbrief ist nicht der Ort, wo historische Kritik geübt wird, und Wilhelm v. Humboldt konnte auch selbst durch seinen jüdischen Verkehr nicht erfahren, wo uns Juden der Schuh drückt, wo F. uns wehe gethan hat: sodann ist es noch immer ein sehr vorsichtiges Lob, wenn Humboldt schreibt: ״er hatte sich und allein durch sein Verdienst und Talent einen ganz eigenen Standpunkt errungen", d. h. man mußte sich schon bei Ramler eine synagogale Feier der Berliner Juden aus Anlaß der Genesung des Prinzen Heinrich von Preußen erwähnt finden, und daß Namler einen Lvbgesang auf diese Genesung abdruckt, den die Judengemeinde angeslimmt hat. Die Monographien über die jüdische Berliner Gemeinde enthalten, so viel dem Ref. erinnerlich ist, während sie sonst jede Feier modernen patriotischen Gepräges, die die Berliner Gemeinde im vorigen Jahrhundert in der Synagoge begangen hat, mit Recht registriren, über diese Feier und über das betreffende Lied nichts. Namler erwähnt dieses Liedes in einer Anmerkung zu seiner Ode ״an die Muse"; in dieser Ode feiert er den Prinzen Heinrich, den die Nachwelt fast so ungünstig und . scheel behandelt, wie Friedrich II. sein Bruder, den Lebenden behandelt hat. Ramler schreibt: ״Die Hochachtung und Liebe, die sich dieser Prinz bei allem Volk erworben hatte, sah man nach der Zeit sehr deutlich, als er zu Braunschweig in eine gefährliche Krankheit verfallen war. Folgendes Danklied wollen wir als einen Beweis von der allgemeinen Freude über seine Genesung hersetzen/' Daß Ramler nun dieses Lied ganz abdruät, weist wohl darauf hin, daß er nicht unbetheiligt bei demselben ist, vielleicht wie so oft als Korrektor und Mitarbeiter. Sollte Mendelsohn, der wie bekannt bei offiziellen religiösen Festlichkeiten der Berliner Judengemeinde die Gesänge verfaßt hat, nicht auch der Autor dieses Liedes sein? Siehe Ramler's poetische Werke. Berlin 1621 Band I S. 273. Dem Gedanken, ״daß die Völker, die vom jüdischen Volke das Höchste gelernt haben es betrüben", einem Gedanken, den wir oben aus der Kantate, Sulamith und Eusebia citirt haben, begegnen wir auch in diesem Feftliede.