Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension] / R.
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 6)
- Language
- German
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220 Recenstvnen. in diesem Falle gewiß unbefangenen Schleiermacher das Urtheil spricht, daß auch ein aufgeklärter Jude sich durch das Send, schreiben tief verwundet fühlen mußte. Wir haben schon oben ein Wort Namler's eitirt, aus dem hervorgeht, daß Christen sehr wohl die Frömmigkeit M's. be. griffen und würdigten, daß also nicht einmal das Argument vorhält, den Judenfeinden durch Aufhebung des Ceremoniells eine Waffezu entwinden. In der Trauerkantate Namler's heißt es: Sokrates, Dir an Weisheit gleich, verdammt Dich nicht. Daß Du, dem angestammten Glauben treu, Gebräuche, welche die Natur beschweren, Aus Liebe für Dein Volk befolgt hast. Die strenge Frömmigkeit M's. störte diesen Dichter so wenig, daß er der Sulamith die Worte in den Mund legte : Mein tief gebeugtes Volk» Dein Mendelsohn vernichtete Den grauen Wahn der Völker um Dich her. Daß unter dir nicht Weisheit wohne. Daß Dir die Tugend fremde sei. Getäuschte Völker, die durch dich allein Den einzigen Jehova kannten. Die Deiner Patriarchen heiligstes Gesetz Verehrten, — Dich verwarfen. Aber wie ein Prophetenwort, wenigstens soweit die nächsten Jahrzehnde nach dem Tode M's. in Betracht kommen, klingt das Wort Namler's an die damalige deutsche Judenheit: Du wirst in Deine Nacht versinken. Mein aufgeklärtes Volk! Du wirst in Deine Schmach verfallen, , Aus der mein Freund Dich zogt). ») Wir möchten bei dieser Gelegenheit daraus Hinweisen, daß wir